Und am Abend gab ihm Monika wirklich ein paar Seiten, die sie geschrieben.

Sie hatte mit sich gekämpft, ehe sie es getan. Aber dann sagte sie sich, daß sie doch nicht allein für sich schreibe, sondern daß sie für ein Publikum arbeiten wolle; daß es doch gerade ihr Lebensberuf sein würde, ihre Gedanken der Menge preiszugeben.

Ja, sie hatte gedacht: „der Menge... preiszugeben ...“

Warum empfand sie nicht mehr wie früher, als es ihr höchste Seligkeit erschienen war, ihre Gefühle anderen zugänglich zu machen, sie mit teilnehmen zu lassen an Freuden und Schmerzen?

Jetzt war in ihr ein Zurückschauern vor diesem Gedanken.

Waren das wieder Vorurteile, die Georg ihr in die Seele gepflanzt?!

Nun, die wollte sie wohl noch besiegen....

Und trotzig griff sie aufs Geratewohl in den kleinen Stoß von Heften in ihrem Schreibtisch, nahm eines davon heraus und gab es nach dem Diner dem Grafen Lork.

Auf den Blättern stand:

„In die Vasen auf meinem Kaminsims habe ich weiße Rosen gestellt. Halberblüht sind sie. Ihre schweren Kronen sehen aus wie aus Elfenbein geschnitzt; geschnitzt von einem primitiven Meister, denn ihr Kern ist noch plump. Die blassen Blätter liegen so fest übereinander, daß sie eine einzige Masse bilden.... Nur zwei, drei der äußersten Blütenblätter fangen an, sich von dem festen Kern zu lösen, und unter ihnen sitzen die zwei Hüllenblätter, weit auseinandergetan, sonderbar tiefrosig überhaucht.... Wie blutbefleckt sehen diese offenen Kelchblätter aus.