Die Cousinen sahen sich selten allein. Nur wenn Marie mal irgendein Anliegen an Monika hatte, bat sie sie in ihr Wohnzimmer. Und Monika tat ihr gern jeden Gefallen.

Uebrigens beneidete Marie die Cousine nicht etwa um ihre kleinen Talente. Sie sah auf Monika herab mit der ganzen Sicherheit, die die feste Position ihres Vaters ihr gab, und fühlte sich als einziges Kind des sehr wohlhabenden Herrn von Holtz dazu berechtigt, Ansprüche an ihre Zukunft zu stellen.

Sie betrachtete Monika als tief unter sich stehend, gleichsam ausgeschieden aus den Reihen der guten Gesellschaft in ihrer Eigenschaft als Tochter einer vermögenslosen Witwe.

„Du wirst natürlich Dein Lehrerinnen-Examen machen,“ sagte sie ihr.

„Ich denk’ nicht dran!“ trotzte Monika.

„Na, was sollst Du denn sonst tun? Deinen Lebensunterhalt mußt Du Dir doch mal verdienen und für ein Mädchen aus unseren Kreisen gibt es doch keine andere mögliche Erwerbsart.“

„Ich könnte doch Schriftstellerin werden; die sollen ja so ’ne Menge Geld für Romane kriegen,“ warf Monika ein.

Marie stimmte ein Hohngelächter an:

„Ach, mach’ Dich doch nicht lächerlich. Schriftstellerin! — Als ob das so leicht wäre! Denkst Du, mit Deinen paar Verschen ist sowas zu machen? Du und Schriftstellerin!“

„Will ich auch gar nicht! Hab’ ich eben bloß so gesagt. Ich bin viel zu hübsch, um Schriftstellerin zu werden! Ich heirate einen Prinzen und lade Dich zur Hochzeit ein, obwohl Du es nicht um mich verdient hast.“