Und dann in anderer Beziehung: Ich will nicht davon sprechen, welche Sorte „Flammen“ Alfred und Heinrich haben, aber daß meine Brüder die Frechheit besitzen, über meine Liebesgefühle zu Gericht zu sitzen, das ist nicht zu ertragen!
Warum soll ich denn weniger empfinden als sie? Habe ich denn nicht auch Fleisch und Blut und Nerven und Empfindungen? — Na, lassen wir das. Ich ärgere mich bloß, wenn ich daran denke.
Und ich will mich nicht ärgern, sondern selig sein, daß ich jung bin, und daß das Leben schön wird. Vorläufig stehe ich ja noch davor wie vor einem verschlossenen Garten. Die Mauer ist hoch, aber drüber her hängt doch manch ein Blütenzweig. Der zeigt mir an seinen kleinen, rosigen Blüten, wie süß die tausend Frühlingswunder sein müssen, die hinter der Mauer sind — im Garten des Lebens.
Ich wollt’, ich dürfte schon hinein!
Monika.“
Ende des Kapitels
2.
M
Monika fügte sich besser in die Hausordnung, als man es nach dem ersten wilden Tage erwarten durfte. Sie war von überquellender Herzlichkeit zu ihrer Tante, die sie sehr liebte, weil sie sie so schön fand.
Mit dem Onkel stand sie auf einem lustigen Neckfuß: nur mit Marie konnte sie zu keinem wärmeren Tone gelangen. Marie verhielt sich allem Entgegenkommen Monikas gegenüber durchaus ablehnend. Sie hatte eine instinktive Abneigung gegen das vollsaftige junge Geschöpf mit dem heißen Hirn und dem heißen Herzen.