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Von diesem Tage ab gab Monika ihm oft etwas, was sie geschrieben, Phantasien, Betrachtungen, manchmal ein Gedicht. Und immer aufs neue war sie erstaunt von dem Verständnis, das er ihr entgegenbrachte. Ein Verständnis, das bis ins einzelste ging und jede flüchtige Nuance zu würdigen wußte.

Sie empfand ein lebhaftes Erstaunen darüber. Wenn man Lork kennen lernte, vermutete man so gar nichts Aehnliches in ihm. Die ganze erste Zeit ihrer Bekanntschaft war er ihr als weiter nichts erschienen als ein Mann von guten gesellschaftlichen Formen und von banaler Liebenswürdigkeit. Und nun dieses feinsinnige Eingehen auf jeden ihrer Gedanken.

Und die grenzenlose Mühe, die er sich gab, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen, ihr jede Laune zu erfüllen, kaum daß sie ausgesprochen war. — — Sie verstand ihn erst dann, als sie ihn einmal Klavier spielen hörte.

An einem brütend heißen Nachmittag war’s. In der Halle hatte man die großen Stores heruntergelassen, und diese dünne Scheidewand genügte, um das rote Brennen des Sommertages in eine opalblasse Dämmerung zu verwandeln.

In den Korbstühlen und Schaukelstühlen lagen ein paar Hotelgäste in „aufgelösten“ Stellungen herum.

Eine sehr hübsche Russin war sogar im Peignoir erschienen, in einem nilgrünen und goldgestickten Peignoir, dessen Farben mit einem tiefen, metallischen Glanze aufleuchteten in dem sanften Halblicht, das man in der Halle hergestellt hatte.

Ein Engländer verpflanzte tropische Angewohnheiten hierher, indem er sich ein nasses Handtuch auf den Kopf gelegt und einen der Liftboys angestellt hatte, ihm Kühlung zuzufächeln. — Kein Punkah war’s, den er bewegte, sondern einer der bunten Papierfächer, die das Hotel als Reklame-Angebinde den Damen widmete, die dort soupierten.

In der Bar, die an die Halle anstieß und in der ein übernächtigt aussehender Mixer immer neue Ice-drinks mischte, saßen Lork, Monika, Edith, Berningen und Milorski.

Berningen war tief betrübt von seinem Ausflug ins Holländische zurückgekehrt, seitdem vor zwei Tagen zwei Offiziere der niederländischen Kolonial-Armee angekommen: der eine, Major, war der Gatte der schönen Mutter, und der Leutnant der Verlobte der pikanten Tochter, dessen Existenz sie bisher unterschlagen.