Gedankensprung
Am nächsten Morgen hatte sie mit Lork die von ihm erbetene Aussprache.
Solange sie nebeneinander auf der weißen Landstraße einhergingen, sprachen sie kein Wort. Dann bogen sie in einen Fußpfad ab, der an Wiesen und schattigen Laubbäumen vorbei hügelan führte.
Monika setzte sich auf die Bank an irgendeinem Aussichtspunkte und hielt ihren weißen Spitzensonnenschirm vor das Gesicht, weniger zum Schutze gegen die Sonne als zum Schutze gegen seinen Blick. Und sie sagte hastig:
„Sie dürfen nicht zu mir sprechen wie gestern abend, Graf Lork. Sie wissen ja überhaupt nichts von mir...“
„Doch! Fräulein von Gräbert sprach mit mir, ehe sie fortfuhr.“
Eine heiße Röte überflammte Monikas Gesicht. Edith hatte also vor ihrer Abreise noch ein Zusammentreffen mit Lork arrangiert. Wer weiß, was sie da für Verleumdungen über sie aufgetischt haben mochte!
„Ich war unendlich glücklich über das, was Fräulein von Gräbert mir sagte. Ich hörte, daß Sie im Begriff sind, sich scheiden zu lassen. Ist das wahr?“
Monika antwortete nicht; mit aufeinandergebissenen Zähnen starrte sie vor sich hin.
Und in heißem Flehen sagte die Stimme des Mannes von neuem: „Das ist wahr?... Sagen Sie mir, daß es wahr ist...“