Im Eßzimmer waren Frau von Holtz und ihre Tochter Marie beschäftigt, Staub zu wischen. Nicht etwa, daß auch nur eine Andeutung von Staub auf den blitzblanken Möbeln zu sehen gewesen wäre, aber das Reiben und Polieren an den Gegenständen war eine Manie von Frau von Holtz.
Mit ihren schönen, etwas fett gewordenen Händen führte sie das Staubtuch über eine silberne Jardiniere. Der große Brillant am Ringfinger ihrer linken Hand flammte auf im Strahle der Wintersonne, die durch die Doppelscheiben des Fensters leuchtete.
Während des Putzens redete Frau von Holtz auf ihre Tochter ein:
„Ich bitte Dich, Du machst ein so mißmutiges Gesicht, statt Dich zu freuen, daß Deine Cousine kommt.“
„Warum sollte ich mich wohl darüber freuen?“ klang es scharf zurück. Die hageren, roten Hände des neunzehnjährigen Mädchens zerrten nervös an dem Staubtuch, „Du weißt, mir ist Monika immer unsympathisch gewesen.“
„Aber Marie, Ihr saht Euch zuletzt, als Du sechzehn Jahre warst und sie ein Kind von noch nicht dreizehn. Als wir damals auf der Durchreise in Berlin waren —“
„Sie war damals unausstehlich, so eingebildet —“
„Aber —“
„Eingebildet auf alles: auf ihre Schönheit, ihren Geist, ihre Tanzstundenerfolge —“
„Kindereien! Ich weiß nicht, wie Du das ernsthaft nehmen kannst.“