„Sie wird sich inzwischen wohl kaum zum Besseren entwickelt haben. Tante Malis Brief wenigstens ließ nicht darauf schließen! — Ich verstehe überhaupt nicht, warum Du Tantes Wunsch, Monika einzuladen, gleich erfüllt hast. Hier ist doch keine Korrektionsanstalt.“
„Du drückst Dich wieder einmal sehr lieblos aus, Marie. Aus dem Briefe Deiner Tante ergab sich durchaus nicht, daß Monika einer ernsthaften Korrektion bedürfe.“
„So?! Wie verstehst Du denn das, wenn Tante schreibt, daß Monika „einfach nicht mehr zu bändigen“ ist, — daß Tante seit Onkels Tode jede Autorität verloren hat! — Nun, sehr viel Autorität bei ihren Kindern hat ja Deine liebe Schwägerin nie besessen!“
Frau von Holtz nickte traurig. „Wie habe ich Johann damals gewarnt,“ sagte sie gedankenverloren. „Man heiratet nicht solch einen Springinsfeld, wie Mali es war —“
„Und geblieben ist,“ ergänzte Marie spöttisch.
„Dir steht kein Urteil über Deine Tante zu,“ sagte die Mutter, aber es klang lau. Man merkte, daß auch ihr die Schwägerin keine große Hochachtung abnötigte.
Statt jeder Antwort zog Marie ein unliebenswürdiges Gesicht. Sie trat ans Fenster und starrte auf die weißblendende Landschaft hinaus.
Plötzlich schrie sie erstaunt auf.
Und eine derartig lebhafte Gefühlsäußerung war an Marie etwas so Ungewohntes, daß Frau von Holtz gleichfalls ans Fenster trat.
Ein Schlitten war’s, der herannahte, in schleudernder Fahrt, von zwei Trakehnern gezogen.