Ihre Hände hatten sich zu Fäusten geballt. Eine so heiße Welle von Kraft ging von ihr aus, daß sie zu dem müden Manne hinüberstrahlte, seine Nerven aufzucken ließ in sekundenlangem Leben.
„Hättest früher kommen sollen, Mone. Bist zwanzig Jahre zu spät geboren für mich. Viel früher hättest Du kommen sollen.“
Es war ein dumpfer Klang in seiner Stimme.
Und dann breitete er beide Arme aus und drückte sie fest an sich: „Leb’ wohl, Mone. Adieu, Kätzchen. Wenn Du wiederkommst, bin ich wohl nicht mehr da.“
„Oh!“ schrie sie erschreckt auf.
„Stille. Sehr lange spielt mein Herz wohl nicht mehr mit. Der edle Alkohol wird ihm zu viel. Stille, Kind! Eines lehren meine weisen Freunde aus dem Osten: anständig zu sterben...“
Monika war so erschüttert über diesen letzten Besuch bei Doktor Rodenberg, daß ihr der Abschied von Sarkow nicht so fühlbar wurde, wie sie geglaubt. Sie wollte von hier aus zu einer Schwester ihrer Mutter, um dort noch einige Zeit zu bleiben, ehe sie nach Hause zurückkehrte.
Herr und Frau von Holtz nahmen sehr herzlich von ihr Abschied.
Marie begleitete ihre Cousine zur Bahn. Sie hatte sich das selbst ausbedungen. Es war, als ob sie immer noch Angst hätte, daß Monika dableiben könne.
„Na, denn komm nur, Du Gefangenwärter,“ rief ihr Monika, die schon im Schlitten saß, zu.