Baron Birken, der seinen stark ausgeprägten Adelsstolz auf seinen Reisen, inmitten der internationalen Milieus, zum großen Teile abgestreift hatte, hielt kurz entschlossen um des Professors schöne Tochter an.

Achtzehn Jahre war sie alt, hübsch, temperamentvoll, nicht unbemittelt — kurz, diese Liebesheirat schien ihm außerdem nicht unvernünftig.

Die Ehe war alles in allem weder glücklich noch unglücklich zu nennen gewesen.

Der Baron ärgerte sich oft über den Hang zur Unordnung, den seine Frau hatte; sie besaß ein geradezu hervorragendes Talent, ihre Sachen durcheinander zu werfen und zu verlegen.

Mitunter fand er Mali auch reichlich kokett und äußerte dann seine Mißbilligung in harten Worten. Aber ihr jugendlicher Charme, ihre liebenswürdige Gemütsart versöhnten ihn immer bald wieder.

Mali hatte sich in ihrer Ehe oft „unverstanden“ gefühlt.

Ihr Mann besaß so sehr wenig geistige Bedürfnisse, besaß auch nicht „so viel Gemüt“, wie sie es gewünscht hätte. In ihren ganzen Lebensanschauungen gingen die Eheleute sehr auseinander.

Die liberalen Ansichten, die Mali aus ihrem Vaterhause mitgebracht, stimmten schlecht zu den Meinungen des Gatten, der — wenn auch nicht in extremer Weise — durchaus konservativen Anschauungen huldigte.

Doch gab es Punkte, in welchen die beiden in ihren Gesinnungen durchaus zusammentrafen: sie hatten beide einen sehr ausgeprägten Sinn für Gastfreundschaft, liebten Gesellschaften und rauschende Vergnügungen — Luxus jeder Art.

Da bei ihnen diese Anlagen durch keinerlei Selbstdisziplin gezähmt wurden, so hatte es nicht lange gedauert, bis ihre wirtschaftlichen Verhältnisse sich verschlechterten.