5.

D

Die ersten Tage nach Monikas Rückkehr konnte sich Frau von Birken nicht dem großen Einfluß entziehen, den ihre Tochter auf sie ausübte. Keines ihrer anderen Kinder war von so strahlender Lebenslust erfüllt wie Monika, keines der anderen hatte eine so amüsante Art.

Trotzdem stand in den Gefühlen der Mutter Heinrich unbedingt obenan.

Monika erhielt den zweiten Platz, in weitem Abstande folgte Karl und in unmeßbarer Distanz Alfred.

Die Lieblingskinder hatten Vorrechte, die den anderen nie zuteil wurden. Frau von Birken machte da die merkwürdigsten Unterschiede: Heinzemännchen bekam ein gutes Frühstück ans Bett, Monika ein weniger reichhaltiges auch ans Bett, Karl mußte aufstehen, bevor er frühstückte, und für Alfred wurden überhaupt keine Umstände gemacht.

Seitdem jetzt Monika zurückgekehrt, hatte die Mutter viel Zeit für sie. Wenn die Jungen vormittags im Gymnasium waren, setzte sich Frau von Birken oft zu ihrer Tochter ans Bett. Monika war im Gegensatze zu ihrer Mutter, die sich schon um sieben Uhr früh im Haushalt beschäftigte, nur schwer zum Aufstehen zu bewegen. Arbeit im Haushalt war ihr vollends verhaßt.

Frau von Birken hielt ihr diese beiden Punkte ihres Betragens täglich in tadelnder Weise vor, aber sie erreichte nicht das mindeste damit; sie wußte auch eigentlich ganz genau, daß das alles in den Wind gesprochen war. Aber das hielt sie nicht davon ab, Monika jeden Morgen dieselben Vorwürfe zu machen.

„Was soll bloß aus Dir werden?! Wenn ich ein so großes Mädchen wäre, ich würde mich schämen, faul im Bette zu liegen, wenn meine Mutter arbeitet. Ich kann mir überhaupt gar nicht vorstellen, was aus Dir werden soll. Mit der Schule bist Du jetzt fertig, — heiraten wirst Du nicht, — heutzutage heiratet man kein armes Mädchen. Mehr als eine ganz kleine Rente das Jahr kann ich Dir nicht mitgeben. Der Papa hat so wenig hinterlassen; wenn er nicht so hoch versichert gewesen wäre, könnten wir jetzt Hunger leiden. Und mit dem winzigen Zuschuß, den ich Dir geben kann, findest Du keinen Mann. Hübsch bist Du auch nicht besonders — —“

„Ohh — — —,“ flehte Monika, „ohh —“