Ohne jede Aussicht auf Entschädigung in Geld oder Naturalien waren Kamele und Pferde in Menge längs des Randes der Wüste wegkommandiert worden. Die Araber hatten alles gesammelt, was ihnen noch von Vieh übrig blieb und es fünf bis sechs Tagereisen landeinwärts gesandt, wohin die Soldaten nicht vorzudringen wagten, und Namrūd war ihrem Beispiel gefolgt, indem er nur soviel Tiere zurückbehielt, als für die Feldarbeit nötig waren. Meine Mitgäste ergriffen einer nach dem anderen das Wort: ihre harte Sprache mit den Gutturallauten erfüllte die Höhle. Bei Gott und Mohammed riefen wir so viele Flüche auf die zirkassische Reiterei herab, daß die kräftigen Männer in ihren Sätteln hätten wanken mögen. Von Zeit zu Zeit beugte sich eins der turbanumwundenen Häupter, dem die schwarzen Haarsträhne unter dem gestreiften Tuch hervor um die Wangen hingen, nach einer glühenden Kohle für die Pfeife, eine Hand streckte sich nach der Kaffeetasse aus, oder das Kochfeuer flammte unter dem frischaufgelegten Reisig hoch auf, und in der plötzlichen Helle summten die Fliegen, bewegten sich die Kühe unruhig. Namrūd war nicht gerade entzückt, daß sein eben gesammeltes Feuerholz so schnell zusammenschmolz, und seine Kaffeebohnen händeweise im Mörser verschwanden. (»Wāllah, sie essen wenig, wenn es vom eignen geht, aber viel, wenn sie Gäste sind, sie und ihre Pferde. Und das Korn ist knapp so spät im Jahre!«)

Mausoleum, Chureibet es Suk.

Aber das Wort »Gast« ist geheiligt vom Jordan bis zum Euphrat, und Namrūd wußte wohl, daß er seine Stellung und seine Sicherheit vornehmlich der Gastfreundschaft verdankte, die er auf jeden erstreckte, mochte er noch so ungelegen kommen. Ich steuerte auch einen Beitrag zu dem Gelage bei, indem ich ein Kistchen Zigaretten verteilte, und ehe ich mich zurückzog, waren freundschaftliche Beziehungen zwischen mir und den Beni Sachr hergestellt.

Belkaaraber.

Der folgende Tag versprach ebensowenig, wie sein Vorgänger. Die Maultiertreiber zeigten sich nicht geneigt, die schützenden Höhen zu verlassen und ihre Tiere einem solchen Regen in der offnen Wüste auszusetzen; widerwillig nur schob ich die Reise auf und schickte die Männer nach dem drei Stunden entfernten Mādeba nach Hafer für die Pferde, schärfte ihnen aber ein, nicht zu verraten, wer sie geschickt. Am Nachmittag klärte es sich etwas auf, und ich ritt in südlicher Richtung durch die Wüste nach Kastal, einem auf einer Erhöhung liegenden, befestigten römischen Lager.

Diese Art Fort war an der Ostgrenze des Kaiserreichs nicht ungewöhnlich und wurde von den Ghassaniden nachgeahmt, als sie sich in der syrischen Wüste niederließen; nimmt man doch an, daß auch Mschitta nur ein besonders schönes Beispiel dieser Art Gebäude war. Kastal hat eine starke Befestigungsmauer, die nur durch ein einziges, nach Osten gehendes Tor und durch runde Bastionen an den Ecken und den Seiten entlang, unterbrochen wird. Im Innern befindet sich eine Reihe parallellaufender gewölbeartiger Räume, die in der Mitte einen Hof freilassen — es ist dies mit kleinen Veränderungen der Plan von Kal'at el Beida in der Safa und von den modernen Karawansereien[1]. Nach Norden zu liegt ein gesondertes Gebäude, wahrscheinlich das Prätorium, die Wohnung des Festungskommandanten. Es besteht aus einem riesigen gewölbten Raum mit einem mauerumgebenen Hof davor und einem runden Turm in der südwestlichen Ecke. Der Turm hat innen eine Wendeltreppe, außen aber einen Fries, der oben Laubwerk und unten gekehlte Triglyphen, dazwischen aber leere Metopen zeigt. Die Maurerarbeit ist ungewöhnlich gut, und die Mauern von bedeutender Stärke; mit solchen Verteidigungswerken selbst an den fernsten Grenzen des Reiches konnten die Römer des Nachts in guter Ruh schlafen.

[1] Vorzügliche Pläne und Photographien des Forts sind von Brünnow und Domaszewski in Band 11 ihres großen Werkes »Die Provincia Arabia« veröffentlicht worden. Bei meinem Besuch des Kastals war dieser Band noch nicht erschienen.