»Ich bin sehr engländerfreundlich,« fuhr er fort, worauf ich die Dankbarkeit meines Landes in geeigneten Ausdrücken übermittelte.

»Aber was suchen Sie in Jemen?« fügte er schnell hinzu.

»Exzellenz,« sagte ich, »wir Engländer sind eine Schiffahrt treibende Nation, und ganz Arabien hat nur zwei Orte, die uns berüh—«

»Ich weiß,« fuhr er dazwischen, »Mekka und Medina.«

»Nein,« sagte ich, »Aden und Kweit.«

»Und Sie behaupten sie beide,« gab er scharf zurück — ja ich muß gestehen, sein Ton war nicht der eines Engländer-Schwärmers.

Alsdann begann er mir zu erklären, daß er als einziger unter den Paschas die Bedürfnisse der Jetztzeit erfaßt habe. Er gedenke eine schöne Chaussee nach Alexandretta zu legen (viel Zweck wird sie ja nicht haben — dachte ich bei mir — wenn keine Kamele vorhanden sind, um sie zu begehen), ganz wie die Straße, die er von Samaria nach Jerusalem geführt hätte. Solch eine Straße solle man in der Türkei suchen — ob ich sie kenne? Ich war kürzlich darauf gereist und ergriff die Gelegenheit, den Schöpfer derselben zu beglückwünschen, hielt es aber nicht für nötig zu erwähnen, daß sie am Fuße der einzigen nennenswerten Steigung abbricht und erst wieder da einsetzt, wo man die Höhe des Plateaus von Judäa erreicht hat.

Des weiteren brauche ich mich über Kiāzim Paschas Eigentümlichkeiten nicht zu ergehen.

Eine weit anziehendere Bekanntschaft war der griechisch-katholische Erzbischof, ein Damaszener, der in Paris erzogen und dort eine Zeitlang auch Seelsorger der griechisch-katholischen Gemeinde gewesen war. Trotzdem ist er noch verhältnismäßig jung. Ich war mit einem Empfehlungsbrief versehen, nach dessen Empfang er mich höchst leutselig in sein Privathaus einlud. Da saßen wir in dem mit Büchern angefüllten Raum, dessen Fenster die Aussicht auf den stillen Hof seines Palastes boten, und unterhielten uns von den Bahnen, in welche der Geist Europas eingelenkt hatte. Ich bemerkte mit Genugtuung, daß der Erzbischof, trotz seiner Gelehrsamkeit und seines Aufenthaltes im Westen, im Herzen Orientale geblieben war.

»Ich freute mich, als mir der Befehl wurde, aus Paris in mein eignes Land zurückzukehren,« sagte er. »Es gibt viel Gelehrsamkeit und wenig Glauben in Frankreich; in Syrien findet man zwar viel Unwissenheit, aber die Religion ruht auf einer festen Grundlage des Glaubens.«