Bāsufān wird von gewissen Juden und Christen aus Aleppo als Sommerfrische benutzt. Sie kommen heraus und wohnen während der heißen Monate in den Häusern der Kurden, die um diese Zeit in ihren Zelten hausen. Auch einige hohe Bäume stehen im Süden des Dorfes, wo sie einen Kirchhof beschatten, auf dem zumeist mohammedanische Tote ruhen, die oft viele Meilen weit hergebracht worden sind. Das nahe Tal birgt einen berühmten Quell, der selbst in regenlosen Jahren, wo alle seine Brüder erschöpft sind, nicht versiegt.

Mūsa und seine Familie.

Die Kurden pflegten auf den benachbarten Hängen Tabak zu bauen, und das Kraut wurde seiner Güte wegen hochgeschätzt, so daß die Ernten immer schnellen Abgang fanden, bis die Regierung das Tabaksmonopol einführte. Von da ab erhielten die Kurden so geringe Preise, daß der Anbau nichts mehr abwarf. Andre Erwerbsquellen hatten sie nicht, und somit hörte die Industrie ganz auf; die Felder blieben brach liegen, höchstens wurde etwas Korn angebaut — »und nun sind wir alle arm«, sagte Mūsa zum Schluß.

Noch war ich keine Stunde im Lager, als der Regen aufhörte und die Sonne durchbrach. Damit war auch unser Lebensmut wieder hergestellt. In Bāsufān befand sich eine große Kirche, die zu irgend einer Zeit durch Hinzufügung dreier Türme in ein Fort verwandelt worden war. Alle Überreste des ursprünglichen Gebäudes zeigten vortreffliche Arbeit. Die eingebauten Säulen an der Apsis waren spiralig kanneliert — das erste Beispiel, das ich sah — und die korinthischen Kapitäle wiesen sorgfältige tiefeingeschnittene Skulpturarbeit auf. Mūsa zeigte mir auf der Südmauer eine altsyrische Inschrift, die ich mit vieler Mühe und wenig Erfolg kopierte: möge der Kuckuck alle altsyrischen Inschriften holen oder aber die Reisenden mit schärferem Witz begaben! Nachdem ich alles besichtigt, blieben mir immer noch ein paar helle Nachmittagsstunden, und ich beschloß, über die Berge nach Burdj Heida und Kefr Lāb zu gehen, welche beiden Orte ich am Morgen dank dem Regen und der Kälte links hatte liegen lassen. Mūsa begleitete mich und nahm seinen »Kompagnon« mit — so wurde er mir wenigstens vorgestellt —; an welchem Unternehmen sie beide teilhatten, erfuhr ich nicht. Der Besuch von Burdj Heida war lohnend. Es besaß einen viereckigen Turm und drei Kirchen, deren eine noch außerordentlich gut erhalten, und der ein interessantes Gebäude angefügt war, das vielleicht die Wohnung des Geistlichen gewesen. Aber hauptsächlich wegen der Unterhaltung meiner beiden Gefährten war der Ausflug bemerkenswert. Mit Mūsa hatte ich in den drei Tagen, die wir zusammen verbracht, eine feste Freundschaft geschlossen, die sich meinerseits nicht nur auf seine mir geleisteten Dienste gründete, sondern auch auf eine warme Würdigung des strahlenden Lächelns, mit dem er alles für mich tat. Wir waren bereits so vertraut miteinander geworden, daß ich glaubte, mit Recht von ihm einige Aufklärung über die Glaubenslehren der Jezīdi erwarten zu können. Denn, mag man es auch in Europa damit halten, wie man will, in Asien ist es nicht höflich, einen Mann nach seinem Glauben zu fragen, solange er uns nicht für seinen vertrauten Freund erachtet. Es ist auch nicht ratsam, denn man macht sich nur verdächtig, ohne eine befriedigende Antwort zu erzielen. Während wir auf der Schwelle der kleinen Kirche zu Kefr Lāb saßen, begann ich meine Nachforschungen mit der vorsichtigen Frage, ob die Jezīdi Kirchen oder Moscheen hätten.

»Nein,« erwiderte Mūsa, »wir verrichten unsre Andacht unter freiem Himmel. Jeden Tag in der Dämmerung beten wir die Sonne an.«

»Habt ihr,« fragte ich weiter, »einen Imām, der die Gebete leitet?«

»An Festtagen,« sagte er, »tut es der Scheich, an anderen Tagen betet jedermann für sich allein. Wir halten einige Tage für glücklich, andre für unglücklich. Mittwoch, Freitag und Sonntag sind unsre guten Tage, der Donnerstag aber bringt Unheil.«

»Warum?« forschte ich.