»Noch een, Pulli?« fragte das Schreiberlein freundlich, griff schnell zu und warf einen zweiten Stein, der ebenso rasch geholt wurde. Des Hundes Eifer wurde immer größer, je mehr Steine flogen. Die Augen des Schreiberleins strahlten, so große Freude empfand es. Aber auch die andern sahen dem prächtigen Tier gern zu und warfen auch Steine. Alle, wenn sie nicht gar zu groß waren, holte es gehorsamst zurück, aber wenn es sich des Gegenstandes entledigt hatte, sah es doch zuerst nach dem Schreiberlein, stieß mit der Nase an dessen Hand und ermunterte es durch Bellen und Scharren zu neuen Würfen. Diese Bevorzugung behagte dem Schreiberlein über die Maßen, und es wurde nicht müde, mit dem Hunde zu sprechen und ihm das Fell zu glätten, soweit die Ungeduld des Tieres es zuließ, das sich in Kreuz- und Quersprüngen nicht genug tun konnte.
Es trug kein Halsband, so mußte es doch gewiß aus dem Dorfe sein, dachte das Schreiberlein und war betrübt, daß es mit dem Spiel zu Ende ging, denn sie waren mittlerweile schon weit in das Moorgebiet geraten und mußten daran denken, den vierbeinigen Spielvogel nach Haus zu schicken. So flog denn ein Stein weit zurück, begleitet mit dem Rufe: »So, Pulli, den nimm mit, un denn no Hus!«
Wohl sprang der Hund bellend nach, aber er kam getreulich mit dem Stein wieder. Das Schreiberlein klopfte ihm den Hals und nahm ihm den Fund ab, dann wies es mit der Hand zurück: »Goh no Hus, hörst!« Aber Pulli blieb und wedelte.
»Na, denn gah noch 'n Stremel mit,« sagte das Schreiberlein gutmütig und liebevoll, und das alte Spiel fand seine Fortsetzung im Weiterwandern.
»Eigentümlich, was Sie für eine Gewalt über den Hund haben,« sagte der Lehrer.
Das Schreiberlein sagte nichts darauf, aber das Wort erfüllte es doch mit Stolz. Zu dem Hund sagte es: »Lat dat Bellen na, kiek mal hin, wat du di utsehn mokst!« – und wies nach den Beinen und dem Kopf, die arg geschwärzt waren.
»Du mußt doch noch mehr können, als bloß Steine holen,« begann es nach einer Weile wieder und hieß den Hund stehen bleiben. Es prüfte durch, was es von Kunststückchen an andern Hunden gesehen hatte, und bekam heraus, daß Pulli sich totstellen konnte, daß er über den Stock sprang, Pfote gab und auf Geheiß bellte. Nur eins wollte ihm nicht glücken, den wirklichen Namen des Hundes zu erforschen, obgleich es ihm alles Erdenkliche zurief. Weder bei Hektor, Juno, Bruno, noch bei Seemann, Feldmann, Mobbi, Max rührte das Tier sich.
»Denn blift dat bi Pulli!« entschied das Schreiberlein und warf einen Stein. O weh, der plumpste in den sumpfigen Graben. »Hier! Komm hier!« Aber das Rufen half nicht, der Hund stand schon tief in dem moorigen, muddigen Wasser und wühlte es mit dem Maul und den Füßen auf. Naß und beschmutzt, sich schüttelnd, kam er zurück, daß das Schreiberlein traurig wurde, als es das schöne Fell so entstellt sah, aber es vertröstete sich auf den breiten Graben, der kommen mußte. In dem sollte der Hund schwimmen und sich rein spülen, dann mußte er nach Haus geschickt oder gejagt werden.
Der Graben war bald erreicht, und der Zuruf des Schreiberleins ließ den anfangs zögernden Hund in das tiefe Wasser springen. Als er hin und her geschwommen war, rief es ihn zurück.
Er war wirklich reiner geworden, als er sich abgespuddert hatte.