»Ach, lassen Sie ihn doch wieder laufen,« sagte das andere Mädchen.
»Geht er denn?« fragte das Schreiberlein. »Er ist ja nicht wegzubringen, nicht mit Gewalt.« Es nahm nochmals einen Anlauf und lief den Hund fast um, aber es hatte wieder keinen Erfolg. Das Tier legte sich erneut aufs Betteln, und das Schreiberlein war nicht der Mann, dem zu widerstehen. Ich kann es nicht, ich bringe es nicht übers Herz, dachte es still und bedrückt, atmete tief auf und streichelte den dankbar winselnden Hund.
Später lief es mit ihm um die Wette und kam den andern dabei ein beträchtliche Stück voraus. Pulli stellte sich an den Grabenrand und schlappte Wasser.
»Büst ok all hungrig?« fragte das Schreiberlein und schnallte den Rucksack ab. Der Hund kam fragend näher und als er Brot und Wurst bekam, fing er es hastig und fraß mit lebhafter Freude. So frühstückten die beiden Wandergenossen am Wegrande, und als die Vorratskammer ausgeräumt war, legte das Schreiberlein sich längelang ins Gras, und der Hund ruhte neben ihm. Die Hand ruhte auf dem Kopf des Tieres. So lagen sie zwischen Löwenzahn und Butterblumen, bis die andern herangekommen waren.
»Ich bin vom Berg der Hirtenknab,« sagte der Lehrer launig.
»Bin ich auch!« gab das Schreiberlein stolz zurück, reckte sich und sprang auf die Füße.
»Soll er denn nun noch weiter mit?« fragte ein Mädchen, als sie wieder eine Strecke gemeinsam zurückgelegt hatten.
Das Schreiberlein guckte wie verloren nach dem dicken, roten Neuenfelder Kirchturm, der inmitten der Dächer stand wie eine Gluckhenne zwischen ihren Küchlein.
»Wir kommen gleich an die Süderelbe,« sagte es, »da soll es sich entscheiden. In das Fährboot kommt er nicht hinein. Schwimmt er uns aber nach, dann soll er mit mir.«
Das war aber nicht seine richtige Meinung. Es war mit dem Hund in Gedanken schon in seiner kleinen Stube angelangt, wie Doktor Faust mit seinem Pudel, und Goethes Worte gingen ihm durch den Sinn.