Der Fährmann lachte, dann aber sagte er ernst: »De is all lang weg. Ober dor sitt 'n Wulkenbank in 'n Westen, dat kann licht 'n Gewitter geben. Blieft leber hier, ik wohrschoo jo.«
Das hatte das Schreiberlein, das immer nach dem Damm guckte, wohl gar nicht verstanden, denn es gab keine Antwort darauf, sprang aus, noch ehe der Kahn angelegt hatte, und lief in Sprüngen fort, daß der Mann herzlich lachen mußte über den närrischen Kerl.
»Pulli! Pulli!«
Unbekümmert rief das Schreiberlein, einerlei, ob Menschen es hörten oder nicht, spähte nach allen Seiten und schritt erregt weiter, dem Moor entgegen.
Aber kein Hund war zu sehen.
Als es von dem weiten, düstern Moor umfangen war, begann schon die Dämmerung ihre stillen Flügel ausbreiten. Da rief es lauter als zuvor, daß die Regenspatzen in dem Schilf erschrocken das Piepen ließen. Die Dämmerung nahm überhand, da suchte und rief das Schreiberlein noch ängstlicher und strengte seine Augen an, daß es den vorherigen Weg wiederfinde, was bei den vielen Moorwettern, Brücken und Stegen, bei Kreuz- und Querstücken nicht leicht war. Die Weidenbüsche wuchsen wie riesenhafte Tiere aus dem Gras und bekamen drohende Augen.
»Pulli, neem büst du?«
Draußen auf der Elbe war Ebbe eingetreten. Die vermochte aber nicht zu verhindern, daß die Wolkenwand sich höher schob und sich ausbreitete. Einige Sterne waren schon sichtbar: nun schoben sich dunkle Wolkenhände über ihren stillen Schein.
Von den Moorburger Wiesen, den weit entfernten, scholl das ängstliche Brüllen des Viehs. Gespenstisch schnell überzogen die Wolken den Heben. Ferner, grollender Donner quoll langsam auf, als käme er aus dem Wasser. Da fiel auch das erste Licht vom Heben, und ein Windstoß fegte warnend über Baum und Halm.
Armes Schreiberlein – warum stehst du still vor dem breiten Graben; hattest du da einen Steg vermutet? Hast du dich verlaufen, weißt nicht mehr, wo du bist? Und hast den Pulli immer noch nicht gefunden?