[Ein Sterben.]
Es war wieder still in dem kleinen, dämmerdunklen Zimmer mit den dicht verhängten Fenstern und der eben glimmenden Lampe, die dem Erlöschen nahe war. Der Kranke war ruhig geworden. Er hatte die Augen geschlossen und schien zu schlafen, denn sein Atem ging tiefer und gleichmäßiger, und der Mund war nicht mehr so schmerzhaft verzogen. Schwere Schatten lagen unter den Augen, und das Gesicht war fahl und eingefallen: nur das volle, blonde Haar ließ erkennen, daß er jung war.
Heinrich, der Konfirmand, saß am Tische und hielt die Wache bei dem Bruder. Erst hatte er gelesen, nun war er damit fertig und guckte nach dem bunten Schnitzwerk der mächtigen eichenen Truhe und tastete mit den Fingern über den Namen und über den Spruch und die Blumen.
Keine Uhr tickte, die Zeit war stehen geblieben.
Plötzlich rührte Gorch sich.
»Mutter!« sagte er leise.
Heinrich erschrak wie einer, der sich ertappt weiß, und zog die Hand zurück und ließ Truhe Truhe sein.
»Mutter schläft, Gorch. Ich bin bei dir.«
Der Bruder öffnete die Augen und richtete sich mühsam im Bette auf.
»Was ist, Heinrich, Abend oder Morgen?«