»Die Klock muß so bei Zehn herum sein.«

»Ist das Wetter sichtig?«

Heinrich bog die Vorhänge etwas auseinander.

»Es ist heller Mondschein, Gorch.«

»Laß mich sehen!« bat der Kranke, und als der Junge zögerte, verlangte er dringender: »Laß mich sehen!«

Da schob Heinrich die weißen Laken zurück. Und Gorch starrte unverwandt hinaus und sah den dunklen Deich und die weite, graue Elbe und die vielen Lichter, wie sie blinkten, wie sie kamen und gingen, und die hohen, schwarzen Segel der Fischerjollen. Und sah den Mondschein, der den Schatten der kahlen Linden auf die Steine warf, und den gelben Mond, der groß und kalt am Heben stand.

Was in ihm vorging, was er sann und grübelte, was für Gedanken ihn überkamen, ließ sich nicht sagen. Er sprach kein Wort und verzog keine Miene. So blickte er lange in die Nacht, bis ihm die Augen zufielen und er schwer in die Kissen zurücksank.

Da stand Heinrich leise auf und verhängte das Fenster wieder, und wieder blieb die Zeit stehen.

Bis Gorch abermals erwachte.

»Mein Seefahrtsbuch, Heinrich!«