Plackendotstill ist es, wie Störtebeker, der munterste an Bord, immer wieder versichert. Ein Brett, das er ins Wasser geworfen hat, um die Strömung zu erkunden, bleibt stundenlang neben dem Ewer liegen. Das große Schiff ist tot und tot ist die See. Nicht einmal eine Möwe läßt sich sehen.

Seemann liegt im Schatten des Bootes auf einem Stück Segeltuches und schnappt nach Luft. Kap Horn hockt auf der Diele neben dem Wasserfaß und liest in einem Buche, das ihm der Bremerhavener Seemannspastor mitgegeben hat, bis er dabei einschläft. Hein Mück hat das beste Teil erwählt: er hat sich ausgezogen und steht nun nackt im Bünn, bis an den Hals im Seewasser.

Dem Schiffer gehen sie weit aus dem Wege, denn er ist wie ein gereizter Löwe und es ist nicht gut anbinden mit ihm. Er kann nicht fischen — das sagt alles.

Er weiß nicht mehr, was er tun soll. Lesen? — Son Schiet! — Knütten? — Son Snarrkrom! — Fischen will er, Schollen greifen, kurren, segeln, kreuzen, denn sie müssen nun endlich einmal nach Hause. Erst war ihm der Wind dazwischen gekommen, der sie hinter Wangeroog gejagt hatte, dann war der Fang schlecht gewesen, drei magere Schollen im Streek! und nun kam ihm noch die Stille in die Quere! Unruhig stand er vor dem Wetterglas und starrte es an, als wenn es an allem schuld wäre mit seiner ewigen deutsch-englischen Predigt: Sehr schön — very dry. Klaus Mewes konnte es nur als Sehr schlecht — verdreiht! lesen.

Dann ging er wieder an Deck und spähte nach dem Heben, als wolle er Löcher hineingucken. Dabei hörte er das Spalken und Plätschern im Bünn. Erst wollte er Hein die Leviten lesen, daß der die paar Schollen im Bünn noch tot trat, dann aber dachte er: dat mokst du ok! Und er zog sich auf der Achterplicht aus, setzte seinen alten Kameruner ab, rannte in Berserkerwut über Deck nach dem Steven, setzte vom Vorderpoller ab und sprang mit Hurra in die blaue See, tauchte tief unter und kam prustend wie ein Seehund wieder an die Oberfläche.

„Kiek mol ober, Kap Horn,“ rief Hein Mück, „ik gläuf, Klaus hetten Sünnenstich kregen!“

Der Knecht klappte das Buch zu und lief an Deck: da schwamm sein Schiffer kräftig ausholend wohl zwanzig Faden vor dem Ewer und lachte und rief: „So ist mooi, Kap Horn!“

Seemann aber stand mit den Vorderfüßen auf dem Setzbord und bellte und Störtebeker sagte in einem fort, er wolle auch mal schwimmen.

„Lot di man nich vonne Haifisch opfreten un krieg man keen Ramm inne Been,“ warnte der Knecht, steckte eine Leine auf den Rettungsring und warf ihn über Bord, auch fierte er einen Riemen längseit, damit der Schwimmer einen Halt hätte, wenn er dessen bedürfte. Schließlich setzte er mit Heins Hilfe noch den Kahn ins Wasser, stieg hinein und wriggte in die Nähe seines Schiffers, denn das Schwimmen in offener See, ohne Schwimmweste und Leine, war ihm ein Greuel und ein Frevel: wie der Bauer sich niemals auf die Erde setzen sollte, so sollte der Fischer niemals in der See schwimmen.

Dennoch freute er sich über den rüstigen Schwimmer.