Da gingen die drei getrost nach dem Ratskeller hinunter, setzten sich mitten zwischen die Pfeiler und besahen die Hausgelegenheit.
„Finkwarder Fischermann kann allerwärts to Anker gohn,“ lachte Klaus, „büst ok bang, Störtebeker?“
„Ne, bang bün ik ne, Vadder.“
Mißtrauisch kam einer der Kellner näher, denn die Jan vom Moor konnten wohl nur versehentlich die Treppe herunter gefallen sein, die wollten gewiß zu Heini Holtentüffel und bei dem eine kleine Lage trinken: als Klaus Mewes, der es merkte, ihn groß und frei ansah und mit lauter Stimme zwei Flaschen Rheinweins zu einem Taler den Buddel und ein Glas süßen Weins für den Jungen bestellte. Da nickte er höflich und brachte das Verlangte.
Es schien allgemein aufzufallen, entweder, daß der Finkenwärder so laut oder daß er plattdeutsch sprach, denn an allen Tischen drehten sich die bedächtigen, geruhigen Bremer nach ihnen um, aber Klaus Mewes ließ sich dadurch in keiner Weise stören. Er rief den Kellner und sie ließen sich durch alle Räume führen: sie sahen die Rose an der Decke, die ein italienischer Maler gemalt hatte, weil er seine Zeche nicht bezahlen konnte, sie sahen Fässer, die so groß waren wie ein kleines Haus, sie kamen durch den Apostelkeller, in dem zwölf nach den Jüngern benannte Fässer lagen, von denen der Judas sauer war, sie hörten von Wein, von dem jeder Tropfen dreitausend Mark kostete.
Endlich hievten sie den Draggen und stiegen wieder ans Tageslicht. Die Bremer Stadtmusikanten, die Störtebeker noch durchaus sehen wollte, waren nicht auszumachen, so gingen sie durch die Langenstraße an dem schnörkelgesegneten Essighaus vorüber nach dem Ewer zurück.
Nicht so gut lief die Fahrt ab, die Hein Mück abends unternahm, um sich etwas vorsingen zu lassen: er konnte das Bremer Bier so wenig vertragen, daß er allerhand Havereien machte und schließlich von einem Schutzmann an Bord gebracht werden mußte. Als er da noch weisen Wind hatte und sich nicht geben wollte, goß Klaus Mewes ihm einfach eine Pütze Weserwassers über den Kopf, um den großen Brand zu löschen.
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Keine Luft von keiner Seite ...
Dwars von Spiekeroog, aber ohne Sicht von Land, steht der Ewer in totenstiller Luft auf dem spiegelglatten Meer. Drei Tage haben sie schon keinen Wind mehr gehabt; zwei Tage hat die Dünung geknarrt und gelärmt, nun am dritten Tag ist das Meer glatt geworden, wie es osterselten vorkommt. Drei Tage schon ruht die Fischerei, hängt die Kurre am Mast, ist das Ruder mittschiffs festgestroppt. Die Sonne brennt steil auf das Deck nieder, das so heiß ist, daß sie Schollen darauf braten könnten und daß das Pech in den Nähten weich ist. Von den Wanten leckt der Teer.