Da weist Klaus Mewes nach Norden, wo urplötzlich eine blauschwarze Wolkenwand wie ein gewaltiges Gebirge aus der See steigt. Mit unheimlicher Schnelligkeit fährt sie in die Höhe und verbreitet sich mit unfaßlicher Macht über den griesen Heben. Wetterleuchten, grelle Blitze und dumpfe Donnerschläge sind das nächste.
„Nu gifft wat!“ ruft Kap Horn.
„Gläuf ik ok!“ antwortet Klaus Mewes, „goh no binnen, Störtebeker!“
„Worüm, Vadder? Ik bün ne bang, lot mi man hier blieben!“
„Ne, du müß dol, Klaus, du speulst uns ober Burd! Goh gau no nerden un lot Hein de Kapp toschuben un blieft beid inne Koi, bit wi jo wedder ropt!“
Störtebeker sieht seinen Vater an, dann sagt er: „Jo, Vadder!“ und geht nach unten, denn er weiß, daß man dem Schiffer gehorchen muß und wenn man’s auch zehnmal besser wüßte.
„Bang bün ik ober keen betjen, Vadder,“ ruft er noch vom Großmast, dann verschwindet er und verklart Hein Mück die Sache, der aber ruhig weiter brät und meint, es würde jawohl nicht so schlimm werden.
Die beiden Fahrensleute oben erwarten den Sturm. Zu sprechen brauchen sie darüber nicht, denn sie fahren lange genug zur See, um zu wissen, was die große Wolke zu bedeuten hat. Kap Horns Züge sind wie aus Holz geschnitten, des Schiffers Gesicht aber ist wie aus Erz gegossen: niemand sähe es beiden an, daß sie so fröhliche Menschen sind und so gern lachen.
Sie wissen, was geschehen wird: dennoch aber haben sie ein so jähes Umlaufen, ein so blitzschnelles Umspringen des Windes noch nicht erlebt und einen so furchtbaren Wirrwarr des Wassers auch noch nicht. Der Südwest hat ausgeweht: mit einer schweren Hagelflage in den Armen fegt ein eisiger Nordwest heran, trommelt und pfeift auf der See und wirft sich mit Ungestüm auf den Ewer. Unmittelbar darauf springt der Wind wieder um: Nord! Und noch kein Besinnen: abermals dreht er sich: Nordost, Nordoststurm. Nun wahr dich, Ewer, nun wehr dich, Klaus Mewes!
Die See, die See!