Es ließe sich aber auch anders schreiben, obzwar es unfinkenwärderisch wäre, denn kein Fischermann machte viel Worte um etwas, das alle Tage vorkommen kann.
Der alte Regenwind, der Südwest, war Baas auf der See. Graue Wolken, eine noch grauer als die andre, trieb er über den Heben.
Klaus Mewes und sein Junge, die die Wache hatten, steckten unter den Südwestern tief im Ölzeug und ließen den Regen auf sich niederströmen. Sie fischten beim Weserfeuerschiff auf 22 Faden. Der Ewer arbeitete stark in der schweren Dünung und schlug trotzig und gereizt mit den leckenden Segeln gegen die Wolken. Mehr und mehr frischte der Wind auf, die Seen krönten sich mit Schaum und das Wetterglas fiel tiefer und tiefer.
Klaus beschloß deshalb, den Streek den letzten zu taufen und treiben zu lassen.
„Intehn, intehn!“ sang Störtebeker, und Kap Horn und Hein Mück kletterten aus ihren Kojen und kamen an Deck. Sie zogen ein und freuten sich, als sie den Steert an Deck hatten, denn es wurde immer windiger und der Ewer stampfte und rollte stärker als zuvor, nun ihm der Halt des schweren Netzes mangelte.
Schollen, Zungen und Steinbutt, meist kleines Zeug, klatschten auf das Deck. Störtebeker und Hein Mück zogen die Fock auf und machten sich mit dem Knecht über die Fische her, Klaus aber nahm das Ruder und steuerte. Als keinerlei Aussicht war, daß das Wetter sich so bald ändere, dachte er hinter Wangeroog zu flüchten, dann aber besann er sich und hielt nach der Elbe hinüber, um zwischen den Baken bessere Gelegenheit zu erklüsen.
Gischt und Regen waren die Fahrtgenossen des Ewers, der vor dem mächtigen Druck der Segel durch das hohle Wasser schäumte wie ein Dampfer und manchen Spritzer überkriegte.
Die paar Petermännchen, Knurrhähne, Rotzungen, Rochen, Kleiße, Steinbutte, Taschen und Zungen waren bald verarbeitet. Dann spülten sie das Deck rein. Hein ging in die Kambüse, um Klöße zu braten und Kaffee zu brauen, Kap Horn aber blieb oben, sah Luken und Boot genau nach und packte alles in den Raum und die Plicht, was drift gehen konnte, denn es wollte schon dämmern und niemand konnte wissen, was die Nacht noch brächte.
Die Elbe war weit weg.
Sie konnten keine halbe Meile weit sehen, so diesig und unsichtig war die Luft. Der Wind wehte flagiger und stoßweiser als vorher und lief raumer. Sie segelten schon platt vor dem Laken und die hohen Wogen liefen ihnen nach wie geifernde, hungrige Wölfe: eine große Gefahr für Boot und Segel. Aber der Laertes, der kühne Schwimmer, hielt kraftvoll den Kopf oben und ließ sich weder begraben, noch aus dem Kurs werfen. Störtebeker stand geruhig bei seinem Vater, ohne Bangigkeit, und half das Neuwerker Feuer suchen. Wenn die Luft nicht so dick gewesen wäre, hätten sie es längst in Sicht haben müssen.