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Sommer heißt der gewaltige Herr, den die Welt hat. In königlicher Pracht schreitet er einher, weithin über Land und See gleißt und funkelt sein Purpurmantel. Groß und ehern sind seine Schritte. Alles wirft er nieder, alles muß sich vor ihm beugen! Das grüne Korn erbleicht und senkt die Ähren, die Blumen verdorren, die Vögel verstummen, die Tiere verkriechen sich.

Nach dem spielenden Kind, nach dem lachenden Jüngling ist der Mann gekommen, der Riese. Stückwerk ist nicht sein Handwerk: er macht ganze Arbeit. Mit gewaltiger, furchtbarer Kraft drückt er alles Freundliche, Milde, Leichte in Grund und Boden, zermalmt er es zu Staub, bis er allein dasteht. Dann zuckt es in seinen Fäusten, dann reckt er die Arme, dann stemmt er die Beine, dann sprüht es aus seinen Augen, dann glüht und dampft sein Atem und hart lacht es um seine Zähne. Selbst die großen Meister, die Winde, müssen vor ihm ducken, und wollen sie sich ja erheben, so fegt er sie mit Blitz und Donner von dannen. Er weiß, was er zu tun hat, weiß, daß es um Brot und Leben geht, weiß, daß der Winter kommt. Was andre nicht gekonnt haben an all den langen Tagen, in all den milden Monden, das vollbringt er in wenigen Wochen: in unerbittlichem Ernst, in kochendem Eifer, in glühendem Haß, in flammendem Zorn — und all sein Ernst und Zorn ist wilde, gewaltige Liebe!

Schwer liegt des Sommers Hand auf der Fischerei. Auch Klaus Mewes fühlt sie. Lange Tage treibt der Ewer mit schlaffen Segeln in der Windstille und das Deck ist bratenheiß. Nachts steht der ganze Heben in Flammen und das Schiff erzittert. Wie lang ziehen sich die Reisen hin, wie oft müssen sie in Norderney und Cuxhaven binnen laufen, weil ihnen das Eis geschmolzen ist! Sie fahren wieder viel nach der Weser, denn die Zungen, die nicht freihändig verkauft, sondern in der Halle versteigert werden, sind in Geestemünde ebenso teuer wie in St. Pauli und Altona. Zweimal segeln sie bei scharfem Ostwind nach Jimuiden in Holland, einmal kommen sie nach Esbjerg in Dänemark. Manche Kurre zerreißen sie in den Steinen, sodaß beständig einer mit dem Ausheilen zu tun hat. Lange Wachen gibt es: der Streek dauert drei bis vier Stunden; saure Arbeit, denn die Zungen sitzen mehr im Schlick als im Sand und die Kurre ist oft nicht zu hieven. Einmal verlieren sie das ganze Geschirr: die Kurre hakt ja wohl an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Wrack fest: der Ewer törnt auf, steht einen Augenblick fast still, dann aber reißt die Kurrleine und dreihundert Mark sind verloren. Ein andermal treibt eine ostfriesische Jalk gegen sie und macht ihnen eine solche Haverei, daß sie nach der Oste segeln und dort zimmern müssen. Dann wieder liegen sie vor Wind hinter Wangeroog.

Aber Klaus Mewes verliert den Mut und verlernt das Lachen nicht! Und es kommen ja auch schöne, große Reisen: einmal, als die Zungen auf Zweimarkzehn stehen und die Steinbutt auf Einsachtzig, machen sie gute vierhundert Mark.

Klaus Störtebeker ist noch immer an Bord und wenn er auch nicht vor dem hamburgischen Wasserschout angemustert worden ist, so gehört er doch als Viertsmaat zur Besatzung und bekommt seine Heuer so gut wie Hein Mück. Ihm ist jedes Wetter recht, wenn er nur an Bord und bei seinem Vater bleiben darf.

Sie kommen auch einige Male nach Hamburg hinauf, aber sie halten sich auf Finkenwärder nicht lange auf. Klaus Mewes vertröstet Gesa auf den Winter, wenn sie ihn bittet, doch einige Tage zu Hause zu bleiben: er muß fischen! Und den Jungen soll sie vor dem Herbst nicht wieder bekommen: so lange bleibt er an Bord! Und mit der Nachttide wird gefahren, damit sie wieder in die Fischerei kommen und ihnen das Eis nicht wegschmelze!

All ihr Bitten und Flehen nützt ihr nichts: der Wind bläst in die Segel und der Ewer zieht westwärts. Zwar winken die beiden Seefischer vom Achterdeck, aber sie lachen doch dabei und freuen sich, daß sie wieder einmal glücklich der Gefahr entronnen sind, getrennt zu werden.

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In der Kürze eines Seeamtsspruches könnte ich nun auch berichten, daß sie einmal im Sturm mit genauer Not über das Watt gesegelt sind.