„Weest du dor noch nix af?“
„Ne, wat schall ik weeten?“ stößt Gesa heraus, „ik weet bloß, wat he gesund un munter an Burd is!“
„Non, non, non, denn ist jo man god, mien Diern! Wenn dut ne weest, denn ist woll Snackeree vanne Lüd; de snackt sik jo eendeel trecht! Non, denn ist jo man god!“
„Wat hebbt se denn doch woll bloß seggt, Metta?“
„Och, denn lot dat man. Harr ik dat weeten, denn harr ik di gorne so verjogt, mien Diern! Föftein Penn giffst du ut: denn kriegst du jo noch wat wedder! Wat is dat ok doch dick van Dook vanmorgen!“
Aber Gesa läßt sich nicht ablenken, sie will wissen, was erzählt worden ist, und läßt der Witfrau keine Ruhe, bis sie es ihr sagt. Am Deich ist erzählt worden, daß der kleine Klaus Störtebeker über Bord gekommen und in der See ertrunken sei. Klaus Mewes sei ihm noch nachgesprungen, aber er habe ihn nicht wiederkriegen können. Wann es gewesen sein soll, weiß sie nicht, sie kann auch nicht sagen, welcher Seefischer es mitgebracht hat, sie weiß nur, daß es erzählt worden ist.
„Schree man ne gliek, mien Diern,“ tröstet sie, „is jo bloß Snackeree.“
Aber Gesa hört nicht mehr: weinend wankt sie in ihr Haus und bricht mit einem lauten Aufschrei vor dem Herde zusammen. Ein starkes Schluchzen erschüttert sie und es dauert lange, bis sie sich wieder erheben kann. Dann sitzt sie strömenden Gesichts am Tisch.
Es ist gewiß, es ist gewiß! ruft es in ihr, Klaus ist weg! Das ist mehr als bloßes Gespräch, es ist wahr! Sie hat keinen Jungen mehr, wie sie es geträumt hat! Heftiger fließen ihre Tränen. Nun weiß sie auch mit einem Male, warum ihr Mann nicht mehr nach der Elbe finden kann: dieser grelle Blitz, der in ihre Seele gefallen ist, hat das Dunkel erhellt, das um seine Fahrt lag: er kann ihr ohne den Jungen nicht unter die Augen treten, er mag nicht sagen, daß er ihm über Bord gespült ist! Ob er nun auch noch lacht, der lachende Seefischer, der so sehr an seinem Jungen gehangen hat? Oder ob er ernst und still geworden ist, weil er seinen Störtebeker verloren hat?
Gesa schluchzt wild auf. Warum hat sie es zugegeben, daß er mit zur See kam? Warum hat sie darein gewilligt? Er war doch noch so klein und alles in ihr schrie doch: Es geht nicht gut? Die Mutter, die ihr Kind aufgibt, gibt sich selbst auf: das hast du getan, Gesa, klagt ihre Seele sie an. Nun hatte der kleine Junge im bittern Salzwasser ertrinken müssen und trieb ruhelos auf dem Meeresgrunde zwischen den Muscheln und Steinen umher! So lange Zeit, neun Wochen fast, hatte sie ihn nicht mehr gesehen und nun sollte sie ihn gar nicht mehr zu sehen bekommen! Sie konnte ihm nicht einmal die Augen zudrücken und konnte ihm keine Blumen auf sein Grab pflanzen!