Wie Herbst ist der Tag.
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„Stuten! Weu ok Stuten?“
Metta Greuns, die Stutenfrau, die von dem schriftgelehrten Jan Stihr, der ein bißchen heilig ist, nicht mit Unrecht die Finkenwärder Morgenpost genannt wird, kommt mit ihren mächtigen Kiepen den Deich entlang, die fast größer sind als sie, und singt vor allen Türen.
„Wullt ok Stuten, Greta?“ Oder Meetj oder Ilsbeeken oder Trina oder wie die Frau gerade heißt. Zu verwundern ist es, daß sie bei den vierhundert Häusern, die den Elbdeich krönen und die sie abzuklopfen hat, niemals die Gesinen, Geeschen, Sillen, Oleitjen, Trinken, Angken, Wieschen und Ginen miteinander verwechselt.
Nun hat sie den Neß erreicht, setzt die Körbe hin und atmet auf.
„Gesa, wullt ok Stuten hebben?“ ruft sie ins Haus hinein. Die Seefischerfrau kommt heraus, bietet ihr Guten Morgen und macht sich über die gelichteten Kiepen her, um sich ihre Rundstücke und Überschnitte auszusuchen, wobei sie deren Frische nach Frauenart durch Bekneifen ermittelt.
Was für schöne Blumen die Gesa auch doch vor den Fenstern hat, denkt die Stutenfrau, die sich zum Ausruhen auf die Bank unter den Lindenbäumen gesetzt hat. Sie will doch sehen, daß sie von den dunkeln Blutstropfen einmal einen Ableger bekomme. Diesmal aber noch nicht, denn sie hat etwas andres auf dem Herzen. Als sie mit dem lokalen Teil und den Nachbargebieten ins Reine gekommen ist, fragt sie teilnehmend:
„Diern, is dat wohr mit dien Jungen?“
Gesa schrickt zusammen, von böser Ahnung befallen. „Wat schall wohr ween?“ fragt sie hastig und wird weiß im Gesicht.