Der Klapperkasten „Courier“ paddelte langsam, aber sicher aus dem Fleet und setzte sie zu St. Pauli ab. Dort stieg sie in die Pferdebahn und fuhr nach dem Hannoverschen Bahnhof, den die Hamburger so gern den Pariser nannten.

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Der Bahnfahrt ungewohnt, kam sie am späten Nachmittag müde und angegriffen zu Geestendorf an und fragte sich nach der Geeste. Sie erreichte auch den Deich, sah im Westen und Norden die breite Außenweser und ging nach der Kaje hinunter, an der die Fischerewer in langer doppelter und dreifacher Reihe lagen, denn der Wind hatte viele von ihnen hergeweht. Obgleich sie an weiter nichts dachte, als an ihren Jungen und weiter nichts suchte als H. F. 125, sah sie doch, daß hier an der Geeste eigentlich gar nichts Besonderes war; da waren Eisschuppen und da Werften, hüben waren Holzstapel und drüben schmutzige, graue Maschinenhäuser und weiter nichts als höchstens noch Kohlenhaufen: was Klaus wohl hatte, daß er immer so gern nach der Weser segelte, wenn es weiter nichts war als diese graue Ecke, die sich mit dem grünen Deich doch nimmermehr vergleichen konnte?

Sie las die Nummern der Ewer und suchte den Laertes. Fragen mochte sie nicht, obgleich einige Jungen an Deck standen. Da rief Jannis Sloo sie an, der mit einem Norderneyer Schaluppenfischer sprach: „Süh, Gesa, ok mol oberreist?“

Sie gab keine Antwort, sondern ging weiter. „Klaus liggt dor wieder rup,“ rief er ihr noch nach, „dor eben vörre Brügg, de Flagg dor, dat is he.“

Die Flagge — sie mußte bitter und schmerzlich lächeln: so wenig Seefischerfrau war sie, daß sie nicht einmal an das allgemein bekannte Zeichen des Ewers gedacht hatte. Ja, da wehte die deutsche Flagge auf der Besan, wehte lustig und fröhlich, wie sie immer geweht hatte: aber ihr tat sie diesmal weh, weil Klaus sie nicht einmal halbstock gesetzt hatte.

Es wollte schon schummerig werden, als sie vor dem Ewer stand. Tief aufatmend, hielt sie sich einen Augenblick am Pfahl fest. In ihren Ohren sauste es und ihr Herz klopfte schmerzhaft: sollte sie nicht doch noch umkehren?

In der Kajüte brannte schon Licht, weil die Schienkapp aber halb von der Fock bedeckt war, konnte man von der Kaje aus niemand erkennen.

Wie willenlos schlich Gesa sich auf den Ewer und stieg die Treppe hinunter. Dann stand sie auf der dunkeln Diele und blickte durch das rautenförmige Türfenster in die erhellte Kajüte hinein.

Da war der Tisch aufgeklappt und die dampfende Klütjenpfanne stand darauf, auf einem Tauring, und die Seefischer saßen im Kreise herum, hatten die Gabeln in den Händen und langten tüchtig zu. Obenan saß Klaus Mewes, groß und breit, da saß Kap Horn mit seinem Gelehrtengesicht und erzählte von der großen Hitze im Roten Meer, da saß Hein Mück mit einem Gesicht, das heißen sollte: un wenn du teinmol Kap Horn heest un vant Rode Meer snacken kannst, dorüm büst un bliffst du doch en Butenlanner vör mi —, da saß der griese Seemann und liebäugelte mit den gebratenen Klößen, zwischen Seemann und Klaus Mewes aber saß mit lachendem Gesicht der kleine Klaus Störtebeker und fragte in einemfort dazwischen.