„Dor drifft een! Roon an, roon an, he buddelt weg!“
Klaus riß den Riemen ein und sprang über die Duchten nach dem Steven, er beugte sich blitzschnell über den Dollbaum und ergriff den Ertrinkenden bei den Haaren. Und als er ihn hatte, ließ er ihn nicht mehr los. Kap Horn stand neben ihm und sie zogen den gänzlich ermatteten Fischer in das Boot. Hans Danker war es, der Lüttfischer.
„Neem is Trino?“ fragte Klaus dringend und spähte umher, denn er hatte die Frau in Altona an Bord stehen sehen. „Kiek mol to, Kap Horn, wat se dor drifft!“
Hans Danker aber ächzte dumpf: „De is wegsackt! Harrn ji mi ok doch verdrinken loten!“ „So, un dien Kinner?“ fragte Klaus, er blieb aber noch eine ganze Zeit auf der Stelle; sie ruderten hin und her und riefen und suchten, um die Frau zu finden.
Hein Mück zeigte sich als ein umsichtiger Fahrensmann: als die beiden abstießen, warf er sofort Anker, ließ die Fock fallen und machte das Ruder los, so daß der Ewer mit den klappernden großen Segeln keinen Schaden nehmen konnte und die Flage gut überstand. Störtebeker stand an den Wanten und starrte nach dem Boot. Als es sichtiger wurde, kamen von allen Seiten Jollen und Ewer heran, auch vom Deich segelten Boote herbei. Da überließ Klaus Mewes denen das Suchen, nahm den gänzlich gebrochenen Fischer an Bord, richtete die gekenterte Jolle mit der Tallje auf und schleppte sie durch Gerd Eitzens Loch nach dem Bollwerk.
Von ihm und Kap Horn gestützt, wankte der Fischermann seinem Hause zu. Der Deich war schwarz von Menschen und viele Frauen weinten.
Die vier Kinder kamen ihnen entgegen. Das älteste Mädchen fing laut an zu weinen, als es seinen Vater so ankommen sah, und jammerte: „Vadder, Vadder, neem hest du uns Mudder loten?“ Da stöhnte Hans Danker furchtbar auf und wollte sich losreißen, um wieder zu Wasser zu gehen, aber Klaus Mewes und Kap Horn hielten ihn fest, redeten ihm freundlich zu und brachten ihn mit vieler Mühe ins Haus hinein, wo sie ihn der Obhut der Nachbarn anvertrauten.
Störtebeker stand auf dem Deich und sah alles mit an.
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Der andre Tag war ein Sonntag, ein trüber, grauer Tag, an dem die Sonne nicht durchkommen konnte. Der Wind war still geworden.