Nach Mittag standen sie dann im Sonnenschein auf dem Ewer, der schon in seiner großen Wake trieb: Schiffer, Knecht, Junge, Spielvogel und Hund.

Hein Mück pumpte noch etwas, bis die Pumpe röchelte, und Störtebeker drängte das Ruder von Backbord nach Steuerbord und von Steuerbord nach Backbord, als habe er wirklich zu steuern, Klaus Mewes und Kap Horn aber schleppten die beiden schweren Trossen über das Eis.

Da kamen sie vom Deich herunter und über das Eis gegangen, die Seefischer, die Wattfischer, die Lütjfischer, die Frachtschipper, es kamen der Gastwirt, der Reepschläger, der Blockmacher, der Krämer und der Segelmacher, weit über hundert Mann, alle in großen Stiefeln steckend, laut lachend und sprechend, in Gruppen und einzeln. Und die gewaltige Schar versammelte sich um den Ewer, einigte sich über den Weg, den sie nehmen wollte, und verteilte sich auf die beiden langen Kurrleinen. Alles Görenzeug lief und rannte auf den Schallen umher, und oben auf dem Deich standen die Frauen und Mädchen und guckten und warteten. Am Bollwerk und auf den Schallen aber lag die Menge der Fahrzeuge, denen der große Tag die Freiheit bringen sollte. Die vergoldeten Flögel blinkten im Sonnenschein und in den Klüsenaugen leuchtete es vor Hoffnung.

Der große Tag — der größte Tag der Finkenwärder Fischerei, an dem sie die Mächtigkeit ihrer Flotte, die Stärke ihrer Mannschaft, die Brüderlichkeit und Hilfsbereitschaft ihrer Fahrensleute am besten bewies. Allen, die ihn erlebt haben, die den großen Triumphzug vom Bollwerk bis an das weit entfernte Fahrwasser gesehen haben, hat er sich unauslöschlich in die Seele eingedrückt. Nicht wahr, du Finkenwärder: up den Dag kannst du di ok noch besinnen?

Es kamen immer noch mehr Fahrensleute über das Eis: alle, alle wollten helfen, alle wollten dabei sein! Nun waren der Hilfsleute genug: Klaus Mewes stand im Steven wie ein König und gröhlte, die Leinen müßten noch weiter auseinander. Und als das getan war, da rief er über das Eis, so laut er konnte: „All klor! Een, twee, dree: allemann inne Gangen! Huroh! Huroh! Huroh!“

Da sprang Kap Horn nach dem Ruder und warf es herum: die Fahrensleute aber setzten sich mit Huroh und Jümmerbeterbi und Hödjihöh in Bewegung und zogen die Leinen steif: der Ewer kam in Fahrt und schoß durch das offene Wasser, dann krachte und knackte er gegen das Eis, zerbrach es, schob es zur Seite, drückte es unter sich, bäumte sich auf, senkte sich wieder, kam aber dann zum Stehen und blieb vor einem Eisberge sitzen! Aber ein schönes Stück war schon bewältigt.

Störtebeker sprang wie ein Wiesel, hüpfte wie ein Heister, wie ein Wippsteert auf dem Ewer umher: als aber das Brechen losging, stand er neben seinem Vater, der unermüdlich anfeuerte, und hielt sich am Vorderpoller fest. Das war was für ihn. „Junge, Junge, Vadder, so geiht he god.“

Stoppi — stoppi —

Nun mußte ein Tau achterut geschoren werden und sie mußten den Ewer ein Stück rückwärts ziehen, damit sie Anlaufraum gewännen. Klaus Mewes und seine Leute gingen mit Haken daran, die Schollen vor dem Bug zu entfernen.

Kord Külper aber, der spaßige, der Ontjekolontje hieß (er hatte aus dem bremischen Dreimaster, der mit Stückgut nach Valparaiso wollte und auf Scharhörn strandete, eine ganze Kiste Kölnischen Wassers — Eau de Cologne — erbeutet und bespritzte seitdem Taschentuch und Südwester, Buscherump und Ölbüx damit, wie behauptet wurde, jedenfalls aber roch alles an ihm nach Ontjekolontje), Kord Külper kam heran und rief: „Klaus Störtebeker mütt no achtern gohn, anners speel ik ne mihr mit: de drückt dat Fohrtüch vör to deep dol.“ „Deit he ok!“ riefen einige Knechte zur Bekräftigung.