Ein feste Burg ist unser GOTT,
den lateinischen Spruch aber erhielt die Knechtenkoje als Schmuck. So ging es wieder zwei Jahre gut, bis der lange Harm Riegen, der Ewersprüche sammelte, einmal in die Kajüte trat und ausrief: „Twee Wiltsproken stoht dor all, Klaus, oder de drütte, de von Kap Horn bit ant Nurdkap snackt ward un de üller is as de annern beiden tohop, fehlt dor noch bi: plattdütsch!“
„So,“ lachte Klaus Mewes, „du kummst van wegen de Sprüch: ik meen all, du wullst mol meten, keen greuter is van uns twee beiden! Harm, plattdütsch kannen doch bloß snacken, to schrieben geiht dat doch ne!“
„Klaus, dat gifft hunnert grote, dicke Beuker, de plattdütsch sünd!“
„Kann ne angohn, Harm! Dor hebb ik noch nix van hürt!“
„Wat?“ schrie Harm Riegen, sprang auf, rannte wie ein durchgehendes Pferd den Deich entlang und kam nach einer Viertelstunde mit einer großen plattdeutschen Bibel von 1486 zurück.
„Hier, Klaus Mees!“
„Wat? Dat is en Book? Ik meen, dat wür en räukerten Schinken!“
Nachdem er sich aber zu seiner Verwunderung überzeugt hatte, daß sie wirklich plattdeutsch gedruckt war und nachdem Harm ihm ein Kapitel daraus vorgelesen hatte, erklärte er sich damit einverstanden, auch einen plattdeutschen Spruch zu setzen und gab zehn Bund getrockneter Scharben für die Worte, die nun unter seiner Koje prangten und leuchteten: