„Ik do ok doch, wat ik will,“ sagte der Bruder bestimmt, „meenst du, wat ik Lust hebb, bi de Buern to sleupen?“
Befriedigt nickte der Matrose, dann aber drängte er seinen Bruder hinaus, indem er ihm sagte, er solle mal ausgucken, ob die Mutter noch nicht käme, denn er meine, die Kirchenglocken hätten schon geläutet.
Er fühlte aber, daß der Tod in der Kammer stand, und wollte nicht, daß der Junge ihn sterben sehen sollte. Als er allein war, blickte er noch einmal über den Westerdeich, auf dem Klaus Störtebeker noch immer sein rauchendes Osterfeuer bewachte. Von der Elbe herüber tuteten die Dampfer und hinter dem Neß standen viele braune Segel auf dem Wasser.
Dann trat die große Meeresstille ein: der Tod kam und grüßte ihn. Und Harm Külper war tapfer bis zum letzten Augenblick.
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Mit dem Seefahrtsbuch in den Händen fanden sie ihn, und das Seefahrtsbuch bekam er nach seinem Willen mit in den Sarg. Die gebückte Triengretj, die Totenfrau, ging von Tür zu Tür und sagte an, daß er Mittweeken Klock dree aus dem Hause komme. Jan Köpke kam mit dem Leichenwagen den Deich entlanggewankt und brachte den ruhelosen Weltumsegler, dem Tausende von Seemeilen nicht genug gewesen waren, in einer kleinen halben Stunde zum Hafen und zur Ruhe. Störtebeker ging mit hinter dem Sarge und trug einen großen Kranz, zu dem er das halbe Geld aus seinem Spartopf zugeschossen hatte. Aus jedem Hause ging einer mit, daß es eine große Leiche wurde. Am Grabe sangen die Lüneburger Kirchenjungen, und Bodemann sprach bewegt von einem Matrosen, der manchen Hafen und manches Meer gesehen hätte.
Nachher aber, als die Frau auch die letzten Fenster verhängte, lief Störtebeker mit dem Vollschiff nach seinem Kahn, wriggte vom Bollwerk ab und ließ es auf der blinkenden Elbe segeln.
Siebenter Stremel.
Der verhängten Fenster wegen verlegte Störtebeker seine Ostermoonen nach dem Südende des Westerdeiches. Dort stand eine einsame kleine Kate, in der Bartel Tamp mit seiner Mutter hauste, der alten Hanno Quast, von der es hieß, daß sie nur einen Topf im Hause hätte, der abwechselnd als Eßtopf, als Waschtopf und als Pißpott dienen müsse. Den Tisch fege sie mit dem Besen ab. Sie hätte auch nur ein Tuch, das sie morgens als Schürze, mittags als Tischtuch und abends als Fenstervorhang benutze. Unter dem Herd wäre ihr Hühnerwiem, und die Ferkel hausten bei ihr im Bettstroh.
Bartel war von Amerika gekommen, sie zu besuchen. Er sollte in Minnesota eine große Farm haben, so groß wie ganz Finkenwärder, sagten sie: anzusehen war ihm das aber nicht, denn er ging Sonntags und Alltags gleich schlumpig. Und als seine Mutter starb, da zimmerte er selbst einen Sarg zurecht, lud ihn auf die Schubkarre und fuhr ihn nach dem Kirchhof: das wäre so Mode in Amerika, sagte er, und kümmerte sich nicht um die Leute. Er wollte auch die Kule selbst graben, aber da kam ihm der Totengräber Hein Bausen in die Quere, der von solcher Gottlosigkeit nichts wissen wollte: dem es aber mehr um die achtzehn Groschen zu tun war, die er für das Grab einzukommen hatte, als um den Frevel.