Gesa trug die vollen dampfenden Schüsseln auf. Es gab frische Suppe mit bunten Korintenklütjen. Safran, Suppenkraut und Muskatnuß fehlten nicht daran, und ein Stück Fleisch, wie ein halber Ochse groß, kam dazu auf den Tisch.

Eine stille Pause, dann ergriff Klaus Mewes den großen, blanken Schöpflöffel und füllte sein Fatt, seinen Teller. Als er genug hatte, gab er den Löffel dem Knecht. Störtebeker bekam ihn zu allerletzt, obgleich er vielleicht am hungrigsten war. An der alten Schiffsordnung, die am Deich galt, durfte nicht gerüttelt werden, obschon Klaus Mewes sich sonst wahrlich nicht an das alte Wort kehrte: Fleesch förn Schipper, Klütjen förn Knecht, Kantüffeln förn Jungen. Er gab ein Essen, wie es selbst die großen Bauern nicht besser geben konnten.

Bi Disch ward ne snackt: das war nichts für Klaus Mewes, da hätte ihm wohl einer ein Pechpflaster auf den Mund backen müssen, wenn er das gesollt hätte. Er sprach und lachte, ohne sich etwas dabei zu denken, und ließ sich auch durch die verweisenden Blicke seiner Frau nicht aus dem Kurs bringen.

Störtebeker aß fünf Klöße, Gotts den Donner, wat kunnt angohn! „Vörre Hand weg, Vadder,“ versicherte er, „ohn uttoseuken; wenn ik no de lütjen langt harr, harr ik wenigstens söben upkregen.“

„Oder söbenuntwintig,“ gab der Knecht trocken drein, aber Störtebeker verstand den Spott nicht.

„Ik wull, wi eten irst lebennige Schullen, Vadder, de smeckt noch en barg beter!“

„Dat wull ik ok,“ rief Klaus Mewes und blickte nach seinem Ewer hinaus.

Er hätte ja die Schollen annehmen können, die Jan-Ohm von der Aue geschickt hätte, meinte Gesa, aber er wehrte ab und sagte, das wäre ja noch schöner, wenn der Fischermann sich die ersten Schollen ins Haus bringen ließe! Gott solle ihn bewahren: die müsse er selbst aus der See geholt haben oder sie schmeckten ihm nicht. Er sah seinen Jungen an:

„Ne, Störtebeker?“

„Jo, Vadder!“