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Nachmittag standen die drei am Fenster und knütteten, Klaus der Schiffer, Kap Horn der Knecht und Klaus Störtebeker. Hein Mück der Junge hatte Urlaub genommen: die drei aber klapperten mit den Schegern und fuhren mit den Nadeln in der Luft herum, obgleich Gesa mit der Sabbatschändung uppen Sünndagnomerdag keineswegs einverstanden war und eine Lippe zog. Aber die Netzmacher ließen sich nicht stören.
Kap Horn war der Bestmann, der Steuermann, Klaus Mewes sein Knecht. Er hieß eigentlich anders, aber auf Finkenwärder nannten sie ihn allgemein Kap Horn. Viele sagten auch Korl Horn, namentlich die Gören.
Er war ein Janmaat alten Schlages, der lange Jahre auf großen Schiffen gefahren hatte, auf hamburgischen und englischen, der im Süd-Atlantik Albatrosse geangelt und bei Grönland Walfische harpuniert hatte und dreißigmal unter der Linie durchgekommen war. Warum er dann noch von der großen Fahrt abgemustert hatte und vom Viermastvollschiff auf den Fischerewer geklettert war, weiß ich nicht: er fuhr aber schon zwölf Jahre bei Klaus Mewes und war schon fast zu einem Finkenwärder geworden, nur in seiner Sprache war noch ein hamburgischer Ton und er gab noch oft ein englisches Wort drein. Und dann hielt er sich als alt- und weitbefahrener Matrose für etwas Besseres als die anderen Fischerknechte, die doch höchstens einmal holländisch oder dänisch sprechen gehört hatten.
Wenn jemand mit Fahrten und Reisen prahlte, dann pflegte er einfach zu fragen: „Kap Horn?“ Und wußte der andere dann nicht einmal, was gemeint war, so spuckte er minnachtig aus; verneinte er, so drehte er sich um und sagte, mit Bierfahrern verkehre er nicht, bekam er aber ein Ja als Antwort, so fragte er schnell: „Veel mol?“ „Dree oder so.“ Dann lachte er und sagte: „An mi kannst nich klingeln, old boy: ik bün soßtein Mol um Kap Horn seilt un nu lot dien Prohlen man en bitten no.“ Bei einer solchen Gelegenheit war er auch Kap Horn getauft worden.
Nun stand er backbords von seinem Schiffer am Fenster und war bei einer weißen Manillakurre, Klaus Mewes arbeitete an einem Zungensteert, mit dem er nur langsam weiter kommen konnte, und Störtebeker hatte etwas in der Mache, von dem er steif und fest behauptete, daß es eine Bunge werden sollte, ein Reifenkorbnetz für Hechte und Schleie, während Kap Horn auf ein Zwiebelnetz riet und Klaus Mewes es für eine Staatsgardine für den Krähenkäfig hielt. Sie hatten es gleich wichtig. Wie Weberschiffchen flogen die Nadeln hin und her und auf den Schegern reihte sich Masche an Masche. Dabei aber wurde ausgiebig geklönt, denn niemand hatte uppen Stutz zu mindern und Maschen zu zählen, also besonders aufmerksam zu sein. Einmal frischte Kap Horn sogar ein altes Matrosendöntje von St. Pauli auf und begann zu singen:
„In England geiht dat lustig her,
dor bot se Scheepen grot un swor,
een bannig Deert von Ungetüm
dat sall jo de Gretj Astern sien!