Wieder knallte der Donner. „Wees still, Junge! Wat ut di un dien Vadder noch mol warrn schall, weet de leebe Gott: ji sünd beid veel to driest!“

Du un dien Vadder — das hörte Störtebeker am liebsten. ... Das Gewitter stand nun steil über ihnen und die Blitze jagten einander. „Nu hett dat inslogen! Nu hett dat gewiß inslogen,“ rief Gesa bei jedem Knall, bis Störtebeker es zuviel wurde.

„Wennt jedesmol inslogen harr, müß ganz Finkwarder woll all upfluckert wesen,“ sagte er, schlug die Vorhänge zurück und guckte in die Nacht hinaus. Gesa prallte zurück vor dem grellen Feuer, er aber sah geruhig in die Blitze: er wußte von seinem Vater, daß sie ihm nichts taten. „Brinnt gornix, Mudder! Kiek, en ganzen gelen! Junge, de süht ut! Heitmann, wat is dat: inne Besen dor blitzt dat? Junge, eben son ganzen kwatterwatschen, Mudder, ik gläuf, dat würn Kugelblitz!“

„Klaus, mok de Kolosen to, innen Blitz kieken, dor kannst blind van warrn. Dink leber mol an dien Vadder, du!“

„An Vadder dink ik jümmerto.“

Störtebeker wurde gesprächiger.

„Bi sun Gewidder lopt de Ool fix, Mudder. Morgen sitt de Körf vull. Un de vunnacht pöddert, de kriegt gewiß söben Ammers vull! Un de Buern ward all de Melk sur vunnacht: morgen möt wi swarten Kaffe drinken.“

Unter Blitz und Donner schlichen so zwei Stunden hin, dann, als es bald hell werden wollte und der Hahn schon einmal gekräht hatte, verstärkte sich das Toben, der Wind schwoll an und der Hagel prasselte gegen die Scheiben.

„Schullt woll all Flot wesen?“ fragte Störtebeker und holte den Hamburger Almanach hinter dem Spiegel hervor. Die Mutter sah nach: „Jo, is Flot! Gott Loff un Dank, nu tütt dat Gewidder woll weg, nu kummt de Wind dor woll achter!“

Der Junge horchte auf, denn er wollte gern zu Bett. Plötzlich sagte er, er wolle mal ausgucken, ob die Wolken schon zögen, stand auf und trat ungeachtet des mütterlichen Widerspruches aus der Tür, in den nachlassenden Regen hinein. Der Deich war aufgeweicht und bildete eine große Pfütze. Am Heben war nicht viel zu unterscheiden, aber das Schlimmste schien überstanden zu sein, denn die grellsten Blitze glommen jetzt im Osten und der Donner rollte verhaltener. Störtebeker blickte nach der Elbe und sah zwei dunkle, große Segel unweit des Bollwerks: ein Ewer segelte vorbei. Da hörte er in einem donnerschwachen Augenblick, wie die Kette durch die Klüse rollte, scharf und deutlich!