Da wußte er, daß es sein Vater war, und er rief, so laut er gröhlen konnte: „Höh, Vadder! Höh, Vadder!“

Und vom Wasser antwortete es: „Höh, Störtebeker!“

Er stürmte ins Haus: „Mudder, Mudder, Vadder is hier! He liggt hier afward! Kiek man bloß mol ut!“

„Ist wohr, Klaus?“

„Jo, jo, he ist! Ik hebb ober em ropen un he hett mi eben antert“ — damit sauste er hinaus, und als sie auf der Schwelle stand, mit der Schürze über dem Kopf, da war er schon Gott weiß wie weit, da war er schon nach dem Sielgraben gelaufen, hatte seinen Kahn, den glücklich geborgenen, losgemacht und wriggte im Regen nach dem Ewer hinaus, dessen rote Seitenlaterne sein Kompaß war. „Vadder, ik komm all!“ Die Reise dauerte einige Zeit, denn er mußte den reißenden Flutstrom überwinden, dann aber stand er an Deck zwischen den Seefischern, die tief im Ölzeug steckten und deren Gesichter glänzten. Er stand bei ihnen, als sie die Segel fierten, und achtete des Regens nicht, er nahm Hein Mück die Laternen ab, trug sie nach der Diele und pustete sie aus, und er legte Hand mit an, als sie das Boot vom Deck setzten! Was kümmerten ihn Regen und Blitz, was ging ihn der Donner an, er war ja bei seinem Vater an Bord!

Als die erste Arbeit getan war, wollten Knecht und Junge sich niederlegen, aber Klaus Mewes nahm sie mit an Land, denn wenn Gesa auf war, konnten sie auch erst noch Kaffee trinken. Als sie abstießen, Störtebeker als Lotse mit seinem Kahn voran, standen über Blankenese schon einige Sterne: das Gewittergewölk saß über Hamburg. Der Regen hatte aufgehört. Im Reet piepten die Wasserküken, am Nienstedter Loch lärmten die jungen Möwen und im Fahrwasser tutete ein Dampfer. Binnendeichs schrie eine katernde Katze in wilder Leidenschaftlichkeit.

Die Linden tropften noch, als sie auf dem Deich angelangt waren. Gesa stand in der Tür, warm und licht im Schein der Lampe, und wirklich, sie hatte keine Angst mehr, nur noch Freude in den Augen. Wie lieb erschien sie Klaus Mewes, der eine ganze Nacht nur in Blitze gesehen und nichts als Regen gehört hatte, wie freute er sich!

Als die Leute und der Junge in die Küche gegangen waren, hielt er sie fest, zog sie aus dem Licht heraus und nahm sie unter den leckenden Linden in die Arme.

Drinnen aber öffnete Kap Horn seinen Packen, den er mitgebracht hatte: da war das Ölzeug, das er gemacht hatte, da war eine Ölbüx, lang und weit genug, da war ein Ölrock mit großen, blanken Knöpfen, da war ein Südwester mit blauen Sturmbändern, alles hellgelb und noch klebend, aber Störtebeker probte es doch gleich an, damit er wußte, wie es paßte. Er zog die Hose mit dem Strick zu, ließ sich von dem Knecht die drang gehenden Knöpfe zumachen, und setzte den Südwester vor dem Spiegel auf. Er zupfte und riß an dem Zeug herum, endlich aber war er fertig und ging vor dem Spiegel auf und ab wie ein Staatsminister. Knecht und Junge lobten ihn und sagten, nun wäre er ein kleiner Fischermann; ihm fehlte aber noch das gewichtigste Urteil, das seines Vaters.

„Schipper, wat ist, könnt wi nu anmunstern?“ rief er übermütig und guckte um die Ecke. Sein Vater und seine Mutter ließen einander schnell los, denn sie hatten noch nie vor dem Jungen geliebkost. Sie kamen herein und bestaunten ihn. Sogar die Mutter mußte über ihn lachen, als er so freiherrlich dastand.