„So, Vadder, Stebeln un Eultüch hebb ik: nu kannt no See gohn!“

„Jo, Störtebeker, nu ist so wiet — nu kummst du mit no See!“ sagte Klaus Mewes und sah Gesa groß und gewaltig an, daß sie fühlte, dagegen gäbe es ebensowenig ein Auflehnen wie gegen das Schicksal selbst.

Sie schwieg, aber in ihrer Seele schrie es nach ihrem Mutterrecht.

„Mudder, du hest hürt? Kap Horn, du hest hürt? Hein Mück, du hest hürt? Ji hebbt alltohopen hürt: ik schall mit no See, ik schall mit no See, huroh!“ rief der Junge, setzte den Südwester ab, unter dem ihm reichlich warm geworden war, und sprach im Tonfall seines Vaters, mit verstellter, grober Stimme: „Non denn so wißt: ich selbst bin Klaus Störtebeker!“ — daß alle lachten.

Beim Kaffeetrinken kamen freilich auch seine letzten Schandtaten an den Tag, darunter als Hauptstück die große Haverei. Kap Horn aber erhob den grauen Kopf und sprang ihm bei: er sähe kein Unrecht darin, denn der Junge habe es gut gemeint. Und Klaus Mewes nickte und sagte, wenn die Sache vor ein Seeamt käme, erhielte Störtebeker ein Lob wegen seiner Umsicht und Ruhe. Anderseiner wäre dabei ertrunken, meinte Hein Mück, um auch etwas zu sagen.

„Non, denn ist god, he kriegt jo mol wedder recht,“ sagte Gesa, in deren Herzen die Bitterkeit wieder aufstieg, „denn nimm em hin! Goht hin un verdrinkt alltohopen!“ Die Tränen kamen ihr. „Ochott, wat ist en Hartleed mit mi arme Froo! Klaus Mees, Klaus Mees, du weest ne, wat du deist, un dinkst noch mol an mi. Uns Herr Kristus is bloß eenmol för di storben: ik starf jede Nacht üm di! Un nu wullt du mi ok noch den Jungen nehmen!“

Klaus Mewes aber ging es wie dem wallensteinischen Kürassier: wo sie die Not nur sah und die Plag, schien ihm des Lebens heller Tag. Unbeirrt ging er in der Küche auf und ab, als die Leute wieder an Bord waren und Störtebeker schon schlief. Er begriff es nicht, daß sie immer wieder nicht mit konnte, daß sie immer wieder umkehrte auf dem Wege zur Sonne. Er dachte an seinen Großvater, der geblieben war, an seinen Vater, der verschollen war, als er vierzehn Jahre alt war, an seine Stürme und Unwetter — und fand sein Leben doch groß und stark und schön, daß er sich kein andres wünschte und auch seinem Jungen kein andres verschaffen wollte: Klaus Mewes war ein Fischername, und die ihn trugen, sollten immerdar Fischer bleiben.

„Gesa?“

„Wat schall ik noch?“

Sie war müde, körperlich und seelisch.