„Wat kummst du merden inne Nacht mit son Gedanken vertüch? Seefischerfroo dött ne bang wesen, dat weest du doch?“
„Bün ik en Seefischerfroo, Klaus Mees?“
Sie schüttelte trübe den Kopf, als wenn sie hinzusetzen wolle: ich bin keine und werde niemals eine werden!
„Noch ne, Gesa, ober du warrst noch een! Weest wat, Diern? Goh mit an Burd! Man to! Denn sünd wi uppen Dutt un brukt ne uppenanner to teuben! Man to, büst jo so jung un so stark! Goh mit! Schallst mol sehn, wo mooi dat up See is!“
Er faßte sie bei den Händen an, aber sie wich seinen Blicken aus und schüttkopfte. „Ik kannt ne, Klaus, gläuf mi dat! Mi groot all vör de Ilw, wat schull dat irst up See warrn? Ik bleef vör Angst dot!“
In dieser Nacht hatte Klaus Mewes zwischen seiner Frau und seinem Kinde zu wählen, und er wählte den Jungen.
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Bei ihm, dem sturen Fischer, gab es keinen langen Streek an Land: wenn er Proviant eingenommen hatte, lag er nicht lange am Neß, sondern ging mit der ersten Tide seewärts, um möglichst schnell wieder in die Fischerei zu kommen. So begann er auch diesmal sofort mit der Ausrüstung, als er mit seinem Ewer von Altona gekommen war. Kap Horn, der Janmaat, war es zufrieden, daß sie schon abends fuhren, obgleich er dann eine Hochzeit versäumte, bei der er auf der Harmonika spielen sollte. Er war aber kein Passatmatrose, der nur bei gutem Wetter etwas taugte, sondern er stand jederzeit seinen Strengen. Und Störtebeker? Das zu sagen, erübrigt sich: ihm dauerte dieser eine Tag schon zu lang und er hätte am liebsten gesehen, wenn sie schon mittags den Anker aufgehievt hätten, denn je länger es dauerte, desto eher konnte noch etwas dazwischen kommen und er womöglich noch wieder abgemustert werden. Nur einem paßte der Kram nicht, dem guten Hein Mück, der auf einen Sonntag gehofft hatte. Ihn verlangte nach der Musik, denn er hatte plenty money in der Tasche und wollte den Bauernknechten mal preußische Taler unter die Nase halten, wollte mal eine Runde für allemann ausgeben, wollte mal mit den Mädchen linksum tanzen und sie in der Nacht nach Hause bringen, die erdbeerseuten Deerns, und nun wurde wieder nichts daraus. Er mochte es Klaus Mewes nur nicht antun, der einen so treuen und fixen Jungen nicht wieder bekäme: sonst hätte er sich mit Trommeln und Pfeifen aufgesagt, jawoll, Klaus Mewes!
Gesa war ruhiger geworden: sie konnte den beiden lachenden Klaus Mewes auf die Dauer doch nicht grollen, wenn sich ihr Herz auch zusammenzog und sie mit Grauen an die einsame Zeit dachte, die vor ihr lag. Auch wollte sie vor ihrem sonnensicheren Mann nicht mehr klein und verzagt stehen. So half sie eifrig bei der Ausrüstung des Fahrzeuges und suchte die Sachen für den Jungen her, wobei sie sogar wieder zu ihrer angeborenen Heiterkeit kam.
Was packte sie nicht alles ein, was machte sie nicht alles zurecht, was suchte sie nicht alles her! Es war, wie Klaus scherzend sagte: als wenn Störtebeker auf Lebenszeit nach Amerika auswandern oder als wenn er eine Nordpolexpedition mitmachen wolle. Strümpfe und Socken, wollene Jacken, Rümpfe und Buscherumpen, Halstücher, Handschuhe und Taschentücher, Mützen und Hüte, Unterhosen und Pulswärmer: ganze Beutel voll standen auf der Diele in der Reihe, rein gefährlich anzusehen! Gesa ging dabei nach dem Grundsatz der Fischerfrauen, der da hieß: Upt Woter ist jümmer kold — und kehrte alle Schiebladen um. Seife und Kamm, Heftpflaster und Hamburger Tropfen, Scharpie und Verbandsleinen, alles gehörte dazu.