Klaus Mewes überholte unterdessen die Räucherkammer und musterte einen Schinken, eine Seite Specks und eine erkleckliche Anzahl von Mettwürsten an, indem er sie von der Leine schnitt.
Störtebeker barg das Hütfaß und stellte die Bungen auf den Schauerboden, die er den Bauernknechten wieder weggeholt hatte. Dann schleppte er den Kaninchenkoben auf den Deich, denn er wollte sein Viehwerk mit an Bord haben, auch seine Krähe, aber da kam Kap Horn und redete es ihm aus: sie hätten für die Munkis kein Futter und Kluß könne sich ja doch nicht mit Seemann vertragen. Störtebeker sah es ein und kantete den Stall wieder über die Wurt, er konnte sich aber nicht enthalten, vorwurfsvoll zu sagen: „Du hest mi ober sülben seggt, wat ji up grote Scheep Swien un Kninken an Burd hatt hebbt.“ „Jo, op grote Scheep,“ sagte Kap Horn, „das is ok wat anners!“
„So? Fischereber is ok en grot Schipp,“ rief Störtebeker patzig.
Nach Mittag mußte er mit Hein den Deich entlang, mit der Karre, und Brot und Mehl holen, Pflaumen und Erbsen, Graupen und Bohnen, Zucker und Kaffee. Er hatte seine Siebenmeilenstiefel an und konnte nur langsam vorwärts kommen, dennoch erregte er Aufsehen genug am Deich und wurde von allen Seiten gefragt, ob er nun mit an Bord komme. Und wenn er bejaht hatte, dann sagten sie, er solle bloß nicht seekrank werden, solle kein Heimweh kriegen und solle aufpassen, daß er nicht über Bord falle. War er aber vorbei, so hieß es bei den Alten: „Sien Vadder is verrückt: wat schall dat Gör all up See?“
Der Krämer, ein Schelm, schenkte ihm einen langen Bindfaden. „Wat schall dat denn?“ fragte Störtebeker verwundert. „Och, nehm man mit! Is god för de Fohrt!“ „Neem to?“ „Kumm, dat segg ik di int Uhr,“ raunte der Krämer und flüsterte: „Dor bindst du di de Been mit to, Störtebeker: du deist de Büx jo doch vull, wenn ji up See sünd.“
Da warf der Junge den Bindfaden auf die Toonbank und sagte, ihm könne sowas nicht passieren.
Sie wurden bis Hochwasser doch noch nicht ganz fertig und verschoben die Abfahrt deshalb auf den andern Tag. Störtebeker mißtraute der Sache, er fürchtete, daß sein Vater ihm auskneifen wolle, und horchte in der Nacht alle Augenblicke, ob sich in der Schlafkammer auch etwas rege. Als er schließlich die Augen nicht mehr offen halten konnte, zog er leise seines Vaters Strümpfe vom Stuhl und steckte sie bei sich unter die Decke mit dem Gedanken: Nu will ikt woll hürn, wenn du upsteihst!
Der andre Morgen verging rasch. Störtebeker fuhr ununterbrochen zwischen Bollwerk und Ewer hin und her und brachte alle Beutel und Packen, alle Brote und Würste, alle Kruken mit Weißsauer und Schwarzsauer sicher an Bord. Es war zu verwundern, daß er sich nicht in Brand lief.
Als der Flutstrom nachließ, war es soweit, daß sie an Bord mußten. Der Abschied nahte. Gesa mußte ihrem Jungen die Hand geben: sie tat es scheinbar ruhig! Er sprang vor Freude, daß es nun wirklich und dreihaftig losgehen sollte, und versprach alles, was sie von ihm verlangte: sich nicht zu erkälten, nicht seekrank zu werden, nicht zu weinen, nicht über Bord zu fallen, nicht in die Wanten zu klettern, sich nicht von den Fischen beißen zu lassen und gesund zu bleiben. Er hätte in diesem Augenblick noch viel mehr versprochen, dann aber drängte er zur Abfahrt, stiefelte den Deich hinunter und rief seinen Vater, der in der Stube lachenden Mundes Adjüst sagte und seine schöne Frau küßte, bis sie sich ihm verwirrt entzog.
Der Kahn mußte mit, Störtebeker sagte, sonst gingen die Jungens ihm damit durch die Binsen, und Klaus Mewes war es zufrieden, denn der leichte Kahn war eher vom Deck zu werfen als das schwere Boot und mochte ihnen in den Häfen ganz gut zu paß kommen.