„Doch, Kap Horn, schallst sehn: ik warr ne mihr seekrank! Un no Hus will ik ne, Vadder: ik will bi di blieben un mit fischen!“

„Non!“ sagte sein Vater, „denn ist god!“ Und erging sich mit ihm an Deck, damit der Junge in der frischen Seeluft ganz genese, denn die Teer- und Segelgerüche der Kajüte waren nicht gut für seinen Zustand.

Er wies ihm Helgoland und die Düne, das Unterland und das Oberland, die große Treppe, den Leuchtturm und die Kirche, die großen rotgrauen Felsen, die starken Boote der Helgoländer und das Haus des Gouverneurs, auf dem die rote englische Flagge wehte. Störtebeker vergaß seines Leidens und behielt das Gegessene bei sich. Er tat schon wieder Schiffsarbeit mit, wenn er sich auch noch matt fühlte: sein Vater ließ ihn pumpen und das Boot schruppen, damit er immer in Fahrt blieb und sich nicht wieder hinlegte, denn nun mußte die Seekrankheit endgültig verjagt werden.

Mittags ging Störtebeker mit zu Tisch und aß tapfer, wenn auch nicht so viel als sonst. Seine Backen hatten schon einige Farbe zurückbekommen und seine Augen glänzten schon wieder. Der Kummer war vergessen.

Klaus Mewes warf den Kahn über Bord und sagte, er wolle an Land: wer mitginge? Störtebeker war dabei. Hein Mück, der auch mit sollte, lehnte ab: er wollte ein bißchen voraus schlafen.

„Up Hilchland ist fein, Hein Mück.“

„Scheun ist bloß in Finkwarder up Musik,“ sagte Hein Mück aber und zog die Stiefel aus, um einen Stremel zu verträumen. Kap Horn, der gern mitgegangen wäre, mußte zur Sicherung des Fahrzeuges zurückbleiben.

Der kleine grüne Kahn wurde bannig hin- und hergeworfen, denn es stand noch eine ziemliche See, wenn auch der Wind nachgelassen hatte und raumer gelaufen war, aber Klaus Mewes wriggte zu geschickt, als daß sie Wasser über bekamen. Störtebeker guckte die Wogenköpfe scharf an, aber er fürchtete sich nicht und ließ auch die Seekrankheit nicht an sich heran.

An der Brücke banden sie den Kahn zwischen den Helgoländer Booten fest und betraten den englischen Boden. Mit dem Unterland waren sie bald schier. Klaus Mewes sprach eine Weile mit Kai Rickmers, den er kannte, und der Schiffer klopfte dem Jungen die Schultern und sagte etwas, was Störtebeker aber nicht verstand, weshalb er meinte, es wäre Englisch. Dann stiegen sie die 188 Stufen zum Oberland hinauf und blickten auf die kleinen, kleinen Ewer und Kutter.

„U, wat is uns Eber lütj! As mien lütj Schipp bi Hus!“ rief Störtebeker. Er bekam den Mönch zu sehen, den gewaltigen, frei im Wasser stehenden Felsen mit dem grünen Hut, und das Sathorn. Und blickte staunend in die schroffe Tiefe, in der das seifige Seewasser gedämpft rauschte. Dann schlugen sie den Mittelweg ein, den die Badegäste die Kartoffelallee getauft haben, und blickten von der Nordklippe des Eilandes weit und breit über die graue, hohe See, die beiden Finkenwärder. Im Westen stand ein Dreimaster mit weißen Segeln auf der Kimmung, unter ihnen aber brandete die See in dumpfem Grollen.