Seemann bellte die Möwen an, die schreiend um den Ewer flogen und sich zu Hunderten angesammelt hatten, lauter aber als Hund und Möwen war Störtebeker, der bald hier stand und bald dort und immerfort zeigte und rief: „U, wat en Fisch! Kiek dor: een Schull! Dor noch een! Dor all wedder een! Dor een Tasch, dor een Ruch, dor een Gnurrhohn, dor een — den kinnk ne! Junge, Junge, watten Fisch!“
Er sollte sich aber noch mehr wundern, denn jetzt erschien der Steert, der Beutel des Netzes, an der Oberfläche. Der war so groß und schwer, daß sie ihn nicht über den Setzbord heben konnten. Sie mußten ihn deshalb in die Talje nehmen.
Da hing er über dem Deck, der wirre, lebendige Klumpen von Fischen und anderm Seegetier, und leckte wie ein Sieb. Der Schiffer machte das Steerttau los und sprang beiseite: die Kurre öffnete sich und quuks-quaks stürzten die Fische schlagend und spaddelnd auf Deck.
Da kreischten die hungrigen Möwen noch lauter: Störtebeker aber kam gänzlich aus der Tüte. Mann o Mann, Junge, Junge, watten barg Fisch! Das war doch noch etwas anders, als wenn er Stichlinge fischte oder als wenn die Lütjfischer am Fall mit den Garnen zogen! Da klapperten und spaddelten die Schollen und Scharben, da sprangen die Rochen, da schnappten die roten Petermännchen nach Wasser, da knurrten die Knurrhähne, zwischen ihnen kroch ein Hummer, da lagen Seemäuse und Seesterne, Seeäpfel, Muscheln und Tang, ein alter Seestiefel, ein zerbrochener Topf und ein großer Stein.
Die Luken wurden abgedeckt und die Schollen in den Bünn geworfen, nach der Größe gesondert, und gezählt. Der Streek hatte gelohnt, denn sie kamen auf 8 Stiege großer und 12 Stiege kleiner Schollen. Störtebeker mußte den Hummer in eine Kiepe setzen und sie in den Bünn hängen, die Taschen packte Hein Mück, dem nach altem Brauch das Taschengeld gehörte, in einen Hummerkasten. Knurrhähne und Rochen wurden für die Pfanne bestimmt, denn weil die Eiskisten noch leer waren, konnten sie nicht frisch erhalten werden. Die Scharben wurden zugemacht und in Salzlake gelegt, dann schaufelten sie den Rest des Fanges schnell über Bord und setzten die Kurre wieder aus. Die Fock rillte in die Höhe, der Ewer fiel ab und nahm seeseitigen Kurs.
Die Möwen verließen das gastliche Schiff. Spurlos, wie sie erschienen waren, verschwanden sie wieder, um andre fallende Focksegel aufzusuchen.
Der erste Streek war getan.
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Diesmal blieb Störtebeker an Deck, denn sein Vater stand am Ruder. Sie taten kurze, zweistündige Striche in der Schollenzeit, damit die Fische, die lebendig an den Markt gebracht werden mußten, in der Kurre nicht zu sehr litten. Kap Horn und Hein Mück gingen in voller Kleidung zu Koje und schliefen, denn wie ein ehernes Gesetz hatte nun die Fischerei Gewalt über die Fischer: das Tag- und Nacht-Kurren ließ sich nur dann durchführen, wenn die Freiwache verschlafen wurde. Bei gutem Wetter wurde ununterbrochen gefischt: Ruhe gab es erst, wenn der Bünn voll war oder wenn die Stille oder der Sturm dazwischen kam.
Wie der Fischermann inmitten der vielen Fische doch kein Stückchen wegwirft, wie er auch die letzte Gräte absaugt, so läßt er keinen Streek aus und fischt tags und nachts, Sonntags und Alltags.