Lisette. Das heiße ich kurz abgebrochen!—Er wird doch nicht verdrießlich geworden sein, daß ich ihm ein wenig auf den Zahn fühlte? Das brave Männchen! Ich will nur gerne sehen, was noch daraus werden wird. Ich gönne ihm wirklich alles Gutes, und wenn es nach mir gehen sollte, so wüßte ich schon, was ich täte.—(Indem sie sich umsieht.) Wer kömmt denn da den Gang hervor?—Sind die es?—Ein Paar allerliebste Schlingel! Adrasts Johann, und Theophans Martin: die wahren Bilder ihrer Herren, von der häßlichen Seite! Aus Freigeisterei ist jener ein Spitzbube; und aus Frömmigkeit dieser ein Dummkopf. Ich muß mir doch die Lust machen, sie zu behorchen. (Sie tritt zurück.)

Fünfter Auftritt

Lisette, halb versteckt hinter einer Szene. Johann. Martin.

Johann. Was ich dir sage!

Martin. Du mußt mich für sehr dumm ansehen. Dein Herr ein Atheist? das glaube sonst einer! Er sieht ja aus wie ich und du. Er hat Hände und Füße; er hat das Maul in der Breite und die Nase in der Länge, wie ein Mensch; er red't, wie ein Mensch; er ißt, wie ein Mensch:—und soll ein Atheist sein?

Johann. Nun? sind denn die Atheisten keine Menschen?

Martin. Menschen? Ha! ha! ha! Nun höre ich, daß du selber nicht weißt, was ein Atheist ist.

Johann. Zum Henker! du wirst es wohl besser wissen. Ei! belehre doch deinen unwissenden Nächsten.

Martin. Hör zu!—Ein Atheist ist—eine Brut der Hölle, die sich, wie der Teufel, tausendmal verstellen kann. Bald ist's ein listiger Fuchs, bald ein wilder Bär;—bald ist's ein Esel, bald ein Philosoph;—bald ist's ein Hund, bald ein unverschämter Poete. Kurz, es ist ein Untier, das schon lebendig bei dem Satan in der Hölle brennt,—eine Pest der Erde,—eine abscheuliche Kreatur,—ein Vieh, das dummer ist, als ein Vieh;—ein Seelenkannibal,—ein Antichrist,—ein schreckliches Ungeheuer—

Johann. Es hat Bocksfüße: nicht? Zwei Hörner? einen Schwanz?—