Theophan. Fassen Sie Mut. Hier kömmt Lisidor.
Vierter Auftritt
Lisidor. Theophan. Adrast.
Lisidor. Ihr seid mir feine Leute! Soll ich denn beständig mit dem fremden Vetter allein sein?
Theophan. Wir waren gleich im Begriff zu Ihnen zu kommen.
Lisidor. Was habt ihr nun wieder zusammen gemacht? gestritten? Glaubt mir doch nur, aus dem Streiten kömmt nichts heraus. Ihr habt alle beide, alle beide habt ihr recht.—Zum Exempel: (zum Theophan) Der spricht, die Vernunft ist schwach; und der (zum Adrast) spricht, die Vernunft ist stark. Jener beweiset mit starken Gründen, daß die Vernunft schwach ist; und dieser mit schwachen Gründen, daß sie stark ist. Kömmt das nun nicht auf eins heraus? schwach und stark, oder, stark und schwach: was ist denn da für ein Unterscheid?
Theophan. Erlauben Sie, wir haben jetzt weder von der Stärke, noch von der Schwäche der Vernunft gesprochen—
Lisidor. Nun! so war es von etwas anderm, das ebensowenig zu bedeuten hat.—Von der Freiheit etwa: Ob ein hungriger Esel, der zwischen zwei Bündeln Heu steht, die einander vollkommen gleich sind, das Vermögen hat, von dem ersten von dem besten zu fressen, oder, ob der Esel so ein Esel sein muß, daß er lieber verhungert?—
Adrast. Auch daran ist nicht gedacht worden. Wir beschäftigten uns mit einer Sache, bei der das Vornehmste nunmehr auf Sie ankömmt.
Lisidor. Auf mich?