Was lese ich? kann ich meinen Augen trauen? Ah, verfluchtes Papier! verfluchte Hand, die dich schrieb! (Wirft den Brief auf die Erde und tritt mit den Füßen darauf.)
Anton. Der arme Brief! man muß ihn doch vollends auslesen! (Hebt ihn auf.) Das Beste kömmt vielleicht noch, Herr Damis. Wo blieben Sie? Da, da! hören Sie nur!
"… gelehrten Zeitung gefunden habe.—Man nennt Sie ein junges Gelehrtchen, welches überall gern glänzen möchte und dessen Schreibesucht—"
Damis (reißt ihm den Brief aus der Hand). Verdammter Korrespondent! —Das ist der Lohn, den dein Brief verdient! (Er zerreißt ihn.) Du zerreißest mein Herz, und ich zerreiße deine unverschämte Neuigkeiten. Wollte Gott, daß ich ein gleiches mit deinem Eingeweide tun könnte! Aber—(zu Anton) du nichtswürdige, unwissende Bestie! An alledem bist du schuld!
Anton. Ich, Herr Damis?
Damis. Ja du! wie lange hast du nicht den Brief in der Tasche behalten?
Anton. Herr, meine Tasche kann weder schreiben noch lesen: wenn Sie etwa denken, daß ihn die anders gemacht hat—
Damis. Schweig! Und solche Beschimpfungen kann ich überleben?—O ihr dummen Deutschen! ja freilich, solche Werke, als die meinigen sind, gehörig zu schätzen, dazu werden andre Genies erfordert! Ihr werdet ewig in eurer barbarischen Finsternis bleiben und ein Spott eurer witzigen Nachbarn sein!—Ich aber will mich an euch rächen und von nun an aufhören, ein Deutscher zu heißen. Ich will mein undankbares Vaterland verlassen. Vater, Anverwandte und Freunde, alle, alle verdienen es nicht, daß ich sie länger kenne, weil sie Deutsche sind; weil sie aus dem Volke sind, das ihre größten Geister mit Gewalt von sich ausstößt. Ich weiß gewiß, Frankreich und Engeland werden meine Verdienste erkennen—
Anton. Herr Damis, Herr Damis, Sie fangen an zu rasen. Ich bin nicht sicher bei Ihnen; ich werde jemand rufen müssen.
Damis. Sie werden es schon empfinden, die dummen Deutschen, was sie an mir verloren haben! Morgen will ich Anstalt machen, dieses unselige Land zu verlassen—