Chrysander. Ich weiß nicht, was ihm im Kopfe steckt. Er ruft dich; er will dich auf die Post schicken; er besinnt sich, daß mit dir Schlingel nichts anzufangen ist, und geht selber. Sage mir nur, willst du zeitlebens ein Esel bleiben?

Anton. Gemach, Herr Chrysander! ich nehme an den Torheiten Ihres
Sohnes keinen Teil. Mehr als zwölfmal habe ich ihm heute schon auf
die Post laufen müssen. Er verlangt Briefe von Berlin. Ist es meine
Schuld, daß sie nicht kommen?

Chrysander. Der wunderliche Heilige! Du bist aber nun schon so lange um ihn; solltest du nicht sein Gemüt, seine Art zu denken ein wenig kennen?

Anton. Ha! ha! das kömmt darauf hinaus, was wir Gelehrten die Kenntnis der Gemüter nennen? Darin bin ich Meister; bei meiner Ehre! Ich darf nur ein Wort mit einem reden; ich darf ihn nur ansehen: husch, habe ich den ganzen Menschen weg! Ich weiß sogleich, ob er vernünftig oder eigensinnig, ob er freigebig oder ein Knicker—

Chrysander. Ich glaube gar, du zeigst auf mich?

Anton. O kehren Sie sich an meine Hände nicht!—Ob er—

Chrysander. Du sollst deine Kunst gleich zeigen! Ich habe meinem Sohne eine Heirat vorgeschlagen: nun sage einmal, wenn du ihn kennst, was wird er tun?

Anton. Ihr Herr Sohn? Herr Damis? Verzeihen Sie mir, bei dem geht meine Kunst, meine sonst so wohl versuchte Kunst, betteln.

Chrysander. Nu, Schurke, so geh mit und prahle nicht!

Anton. Die Gemütsart eines jungen Gelehrten kennen wollen und etwas daraus schließen wollen, ist unmöglich; und was unmöglich ist, Herr Chrysander—das ist unmöglich.