Damis. Jawohl; fahr Sie also nur sachte fort.

Lisette. Sie kennen doch wohl des Herrn Chrysanders Beichtvater?

Damis. Beichtvater? soll ich denn alle solche Handwerksgelehrte kennen?

Lisette. Wenigstens schien er Sie sehr wohl zu kennen. "Ein guter Prediger", fiel er der dicken Rechtsgelehrsamkeit ins Wort, "sollte Herr Damis gewiß auch werden. Eine schöne Statur; eine starke deutliche Stimme; ein gutes Gedächtnis; ein feiner Vortrag; eine anständige Dreistigkeit; ein reifer Verstand, der über seine Meinungen türkenmäßig zu halten weiß: alle diese Eigenschaften glaube ich, in einem ziemlich hohen Grade, bei ihm bemerkt zu haben. Nur um einen Punkt ist mir bange. Ich fürchte, ich fürchte, er ist auch ein wenig von der Freigeisterei angesteckt."—"Ei, was Freigeisterei?" schrie der schon halb trunkene Medikus. "Die Freigeister sind brave Leute! Wird er deswegen keinen Kranken kurieren können? Wenn es nach mir geht, so muß er ein Medikus werden. Griechisch kann er, und Griechisch ist die halbe Medizin. (Indem sie allmählich wieder lauter spricht.) Freilich das Herz, das dazu gehört, kann sich niemand geben. Doch das kömmt von sich selbst, wenn man erst eine Weile praktiziert hat."—"Nu", fiel ihm ein alter Kaufmann in die Rede, "so muß es mit den Herrn Medizinern wohl sein wie mit den Scharfrichtern. Wenn die zum ersten Male köpfen, so zittern und beben sie; je öfter sie aber den Versuch wiederholen, desto frischer geht es."—Und auf diesen Einfall ward eine ganze Viertelstunde gelacht; in einem fort, in einem fort; sogar das Trinken ward darüber vergessen.

Neunter Auftritt

Lisette. Damis. Anton.

Anton. Herr, die Post wird heute vor neun Uhr nicht kommen. Ich habe gefragt; Sie können sieh darauf verlassen.

Damis. Mußt du uns aber denn schon wieder stören, Idiote?

Anton. Es soll mir recht lieb sein, wann ich Sie nur noch zur rechten
Zeit gestört habe.

Damis. Was willst du mit deiner rechten Zeit?