Anton. Daß ich nicht gar ein Jude wäre! Mein Vetter war ein Wende; ich kann Wendisch; und das können Sie nicht.
Damis (nachsinnend). Er hat recht.—Mein Bedienter soll eine Sprache verstehen, die ich nicht verstehe? Und noch dazu eine Hauptsprache? Ich erinnere mich, daß ihre Verwandtschaft mit der hebräischen sehr groß sein soll. Wer weiß, wieviel Stammwörter, die in dieser verloren sind, ich in jener entdecken könnte!—Das Ding fängt mir an, im Kopfe herumzugehen!
Anton. Sehen Sie!—Doch wissen Sie was? Wenn Sie mir meinen Lohn verdoppeln, so sollen Sie bald so viel davon verstehen als ich selbst. Wir wollen fleißig miteinander wendisch parlieren, und—Kurz, überlegen Sie es. Ich vergesse über dem verdammten Plaudern meinen Gang auf den Ratskeller ganz und gar. Ich bin gleich wieder zu Ihren Diensten.
Damis. Bleib itzt hier; bleib hier.
Anton. Aber Ihr Herr Vater kömmt. Hören Sie? Wir könnten doch nicht weiterreden. (Geht ab.)
Damis. Wenn mich doch mein Vater ungestört lassen wollte. Glaubt er denn, daß ich so ein Müßiggänger bin wie er?
Zweiter Auftritt
Damis. Chrysander.
Chrysander. Immer über den verdammten Büchern! Mein Sohn, zuviel ist zuviel. Das Vergnügen ist so nötig als die Arbeit.
Damis. O Herr Vater, das Studieren ist mir Vergnügens genug. Wer neben den Wissenschaften noch andere Ergötzungen sucht, muß die wahre Süßigkeit derselben noch nicht geschmeckt haben.