Odoardo. Nichts?
Orsina. Guter, lieber Vater!—Was gäbe ich darum, wenn Sie auch mein Vater wären!—Verzeihen Sie! Die Unglücklichen ketten sich so gern aneinander.—Ich wollte treulich Schmerz und Wut mit Ihnen teilen.
Odoardo. Schmerz und Wut? Madame!—Aber ich vergesse—Reden Sie nur.
Orsina. Wenn es gar Ihre einzige Tochter—Ihr einziges Kind wäre!
—Zwar einzig oder nicht. Das unglückliche Kind ist immer das einzige.
Odoardo. Das unglückliche?—Madame!—Was will ich von ihr?—Doch, bei
Gott, so spricht keine Wahnwitzige!
Orsina. Wahnwitzige? Das war es also, was er Ihnen von mir vertraute?—Nun, nun, es mag leicht keine von seinen gröbsten Lügen sein.—Ich fühle so was!—Und glauben Sie, glauben Sie mir: Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verlieret, der hat keinen zu verlieren.
Odoardo. Was soll ich denken?
Orsina. Daß Sie mich also ja nicht verachten!—Denn auch Sie haben
Verstand, guter Alter, auch Sie.—Ich seh es an dieser entschlossenen,
ehrwürdigen Miene. Auch Sie haben Verstand; und es kostet mich ein
Wort—so haben Sie keinen.
Odoardo. Madame!—Madame!—Ich habe schon keinen mehr, noch ehe Sie mir dieses Wort sagen, wenn Sie mir es nicht bald sagen.—Sagen Sie es! sagen Sie es! Oder es ist nicht wahr—es ist nicht wahr, daß Sie von jener guten, unsers Mitleids, unserer Hochachtung so würdigen Gattung der Wahnwitzigen sind—Sie sind eine gemeine Törin. Sie haben nicht, was Sie nie hatten.
Orsina. So merken Sie auf!—Was wissen Sie, der Sie schon genug wissen wollen? Daß Appiani verwundet worden? Nur verwundet?—Appiani ist tot!