Claudia. Wahr. Aber wenn du wüßtest, welchen Schreck es ihr verursacht, in welcher Bestürzung sie nach Hause kam-Orsina. Nun, hab ich gelogen?
Odoardo (mit einem bittern Lachen). Ich wollt' auch nicht, Sie hätten!
Um wie vieles nicht!
Orsina. Bin ich wahnwitzig?
Odoardo (wild hin und her gehend). Oh—noch bin ich es auch nicht.
Claudia. Du gebotest mir ruhig zu sein, und ich bin ruhig.—Bester
Mann, darf auch ich—ich dich bitten.
Odoardo. Was willst du? Bin ich nicht ruhig? Kann man ruhiger sein, als ich bin? (Sich zwingend.) Weiß es Emilia, daß Appiani tot ist?
Claudia. Wissen kann sie es nicht. Aber ich fürchte, daß sie es argwohnet, weil er nicht erscheinet.
Odoardo. Und sie jammert und winselt.
Claudia. Nicht mehr.—Das ist vorbei: nach ihrer Art, die du kennest. Sie ist die Furchtsamste und Entschlossenste unsers Geschlechts. Ihrer ersten Eindrücke nie mächtig, aber nach der geringsten Überlegung in alles sich findend, auf alles gefaßt. Sie hält den Prinzen in einer Entfernung, sie spricht mit ihm in einem Tone—Mache nur, Odoardo, daß wir wegkommen.
Odoardo. Ich bin zu Pferde.—Was zu tun?—Doch, Madame, Sie fahren ja nach der Stadt zurück?