Pulcheria ward krank… "Vielleicht die Lust zu büßen,
Die…" Pfui, wer wird nun gleich so voller Argwohn sein?
Schweigt, Neider! hört mir zu! ich lenke wieder ein.
Pulcheria ward krank. Unruhig im Gewissen,
Ließ ihr der Schmerz manchmal, die Schwermut niemals Ruh.
"Wie? Was? Pulcheria wär melancholisch worden?
Sprich, Lügner, lieber gar, sie trat in Nonnenorden."
Schon wieder stört ihr mich? Schweigt doch, und hört mir zu!
Als sie einst ihre Not zu lauten Seufzern trieb,
Sprach Lady, ihre Magd: "Laßt doch den Priester holen;
Legt dem die Beichte ab, so seid Ihr GOtt empfohlen;
Und beichten müsset Ihr, ist Euch der Himmel lieb."
"Ja dieser Rat ist gut", spricht unsre kranke Schöne.
"Lauf, oder schicke gleich zum Pater Andres hin;
Andres—merks wohl—weil ich auch sonst sein Beichtkind bin,
So oft ich mich mit dir, o lieber GOtt! versöhne."
Gleich läuft ein Diener hin, klopft an das Kloster an,
Und so, als wenn das Tor davon zerspringen solle.
"Nu, Nu! Gemach! Gemach!" Man fragt, zu wem er wolle?
"Je, macht nur erstlich auf." Das Tor wird aufgetan.
"Der Pater Andres wird zu meiner Frau begehret,
Die gerne beichten will, weil sie bald sterben kann."
"Wer?" fragt ein Bruder ihn; "Andres? der gute Mann!
Zehn Jahr ists schon, daß der im Himmel Beichte höret."
L.
Die Nuß und die Katze
Eine Fabel.
"Gewiß, Herr Wirt, dies Obst ist nicht für meinen Magen.
Denn wenn ich mir, es frei zu sagen,
Ja eine Baumfrucht loben muß,
So lob ich mir die welsche Nuß.
Die schmeckt doch noch!—Bei meiner Treu!
Der zartste Apfel kömmt der Nuß, der Nuß nicht bei."
Ein Kätzchen, das der Wirtin Liebe
Nie mit Gewalt zum Mausen triebe,
Und itzt in ihrem Schoße saß,
War schlau, vernahm und merkte das.
"Was?" dacht es, "eine Nuß soll so vortrefflich schmecken?
Halt! diese Wahrheit soll mein Maul gleich selbst entdecken."
Es sprang vom Schoße weg, und lief dem Garten zu.
Nu, Katze, nu, wie dumm bist du!
Der schönen Chloris Schoß um eine Nuß zu lassen?
Wärst du ein junger Herr, wie würde sie dich hassen!
Nein, Schönen, räumet mir nur diesen Ort erst ein;
So wahr er mich ergetzt, ich will kein Kätzchen sein.
Doch dieses sag ich nur so im Vorübergehen.
Horcht! ich erzähle fort. Beim Garten blieb ich stehen?
Nicht? Ja. Wohl gut. Hier fand der Katze Lüsternheit
Beim nächsten Nußbaum nun, worauf sie sich gefreut.
Wollt ihr etwan ein Bild zu meiner Fabel malen:
So malt die Nüsse ja noch in den grünen Schalen,
Die unsre Katze fand. Darauf kömmt alles an.
Denn als sie kaum darein den ersten Biß getan,
So schnaubt und sprudelt sie, als wenn sie Glas gefressen.
"Dich", spricht sie, "lobt der Mensch: so mag er dich auch essen.
Oh! pfui, was muß er nicht für eine Zunge haben!
An solcher Säure sich zu laben!"
*
O schweig nur dummes Tier!
Du schmähst zur Ungebühr,
Du hättest auf den Kern nur erstlich kommen sollen,
Denn den, die Schale nicht, hat Lydas loben wollen!
L.
Die Sonne
Der Stern, durch den es bei uns tagt—
"Ach! Dichter, lern, wie unsereiner sprechen!
Muß man, wenn du erzählst,
Und uns mit albern Fabeln quälst,
Sich denkend noch den Kopf zerbrechen?"
Nun gut! die Sonne ward gefragt:
Ob sie es nicht verdrösse,
Daß ihre unermeßne Größe
Die durch den Schein betrogne Welt
Im Durchschnitt größer kaum, als eine Spanne, hält?
"Mich", spricht sie, "sollte dieses kränken?
Wer ist die Welt? wer sind sie, die so denken?
Ein blind Gewürm! Genug, wenn jene Geister nur,
Die auf der Wahrheit dunkeln Spur,
Das Wesen von dem Scheine trennen,
Wenn diese mich nur besser kennen!"
*
Ihr Dichter, welche Feur und Geist
Des Pöbels blödem Blick entreißt,
Lernt, will euch mißgeschätzt des Lesers Kaltsinn kränken,
Zufrieden mit euch selbst, stolz wie die Sonne denken!
Die Teilung