Der Genuß
So bringst du mich um meine Liebe,
Unseliger Genuß? Betrübter Tag für mich!
Sie zu verlieren,—meine Liebe,—
Sie zu verlieren, wünscht ich dich?
Nimm sie, den Wunsch so mancher Lieder,
Nimm sie zurück, die kurze Lust!
Nimm sie, und gib der öden Brust,
Der ewig öden Brust, die beßre Liebe wieder!
Der Geschmack der Alten
Ob wir, wir Neuern, vor den Alten
Den Vorzug des Geschmacks erhalten,
Was lest ihr darum vieles nach,
Was der und jener Franze sprach?
Die Franzen sind die Leute nicht,
Aus welchen ein Orakel spricht.
Ich will ein neues Urteil wagen.
Geschmack und Witz, es frei zu sagen,
War bei den Alten allgemein.
Warum? sie tranken alle Wein.
Doch ihr Geschmack war noch nicht fein;
Warum? sie mischten Wasser drein.
Der Handel
Des wuchernden Tumultes satt,
Freund, fliehst du aus der vollen Stadt?
Flieh nur allein; ich bleib zurücke,
Die Messe wag ich noch mein Glücke.
Nun handl ich auch: doch soll allein
Mein Handel mit den Schönen sein.
Itzt, Mägdchens, ist mir alles feil,
Mein Vater—und mein Mutterteil,
Haus, Bücher, Garten, Wald und Felder.
Kommt nur, und bringt die rechten Gelder!
Kommt nur und fangt den Handel an;
Glaubt, daß ich euch nicht trügen kann.
Ihr kommt? Wie teuer ist dein Feld? Mein Feld verkauf ich nicht für Geld. Dir, Mägdchen, biet ichs hundert Küsse. Und deinen Wald? Zweihundert Küsse. Und dieses Buch? Für einen Kuß. Und dieses Lied? Für einen Kuß.
Wenn ich mit Schönen handeln muß,
Gilt alles bei mir einen Kuß.
Denn Küsse sind die besten Gelder.
Nicht nur Haus, Garten, Wald und Felder;
Mein Vater—und mein Mutterteil,
Ich selber bin für Küsse feil!