Mellefont (indem er den Zettel nimmt). Er ist an mich.—Soll ich ihn lesen, Miß?

Sara. Wenn Sie ruhiger sein werden, Mellefont.

Mellefont. Ruhiger? Kann ich es werden, ehe ich mich an Marwood gerächet und Sie, teuerste Miß, außer Gefahr weiß?

Sara. Lassen Sie mich nichts von Rache hören. Die Rache ist nicht unser!—Sie erbrechen ihn doch?—Ach, Mellefont, warum sind wir zu gewissen Tugenden bei einem gesunden und seine Kräfte fühlenden Körper weniger als bei einem siechen und abgematteten aufgelegt? Wie sauer werden Ihnen Gelassenheit und Sanftmut, und wie unnatürlich scheint mir des Affekts ungeduldige Hitze!—Behalten Sie den Inhalt nur für sich.

Mellefont. Was ist es für ein Geist, der mich Ihnen ungehorsam zu sein zwinget? Ich erbrach ihn wider Willen—wider Willen muß ich ihn lesen.

Sara (indem Mellefont für sich lieset). Wie schlau weiß sich der Mensch zu trennen und aus seinen Leidenschaften ein von sich unterschiedenes Wesen zu machen, dem er alles zur Last legen könne, was er bei kaltem Blute selbst nicht billiget—Mein Salz, Betty! Ich besorge einen neuen Schreck und werde es nötig haben.—Siehst du, was der unglückliche Zettel für einen Eindruck auf ihn macht!—Mellefont!— Sie geraten außer sich!—Mellefont!—Gott! er erstarrt!—Hier, Betty! Reiche ihm das Salz!—Er hat es nötiger als ich.

Mellefont (der die Betty damit zurückstößt). Nicht näher,
Unglückliche!—Deine Arzeneien sind Gift!—

Sara. Was sagen Sie?—Besinnen Sie sich!—Sie verkennen sie!

Betty. Ich bin Betty, nehmen Sie doch.

Mellefont. Wünsche dir, Elende, daß du es nicht wärest!—Eile! fliehe! ehe du in Ermanglung des Schuldigern das schuldige Opfer meiner Wut wirst!